Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/36/
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3. Abschn. Kap. VIII. §. II. 3. Erste Darlegung 
künden die negativen Ladungen, dafs eine Umkehr des Stromes zur 
positiven Richtung wirklich im ersten Auflegen stattgefunden habe. 
Anderemale bleibt die Nadel anfänglich unbewegt stehen und entfernt 
sich dann erst langsam vom Nullpunkt im positiven Sinne. Bei öfte¬ 
rem Auflegen sieht man endlich, wie allmälig der regelmäfsige aufstei¬ 
gende Strom des Gastroknemius stufenweise in der nämlichen Art her¬ 
vortritt, wie dies so eben von den Gliedmafsen des Frosches geschildert 
wurde. Auch hier bleibt der stärkste Ausschlag, welchen man erreicht, 
mehr oder weniger tief unter der gewohnten Wirkung eines Gastro¬ 
knemius stehen. Verfährt man aber ebenso mit dem Gastroknemius 
eines GALVANi’schen Präparates oder eines Gesammtfrosches an dem sich 
der Strom bereits vollständig entwickelt hat, so findet man den Strom 
auch an dem einzelnen Gastroknemius oder Extensor cruris vollständig 
entwickelt vor. 
Himmelweit verschieden gestalten sich die Dinge, sobald künst¬ 
licher Querschnitt in’s Spiel kommt. Schneidet man einem erkälteten 
Frosche, dessen enthäutetes Galvani'scIics Präparat einen starken ne¬ 
gativen Ausschlag geben würde, ein Bein im Oberschenkel ab, und 
legt es, wie oben S. 25, mit dem Gesammtquerschnitt des Oberschen¬ 
kels einerseits, andererseits mit dem noch mit der Haut bekleideten 
Knie auf die Bäusche auf, so erhält man auf der Stelle einen Aus¬ 
schlag von gröfsler Heftigkeit in dem gesetzmäfsigen Sinne. Eben¬ 
so von einem enthäuteten, querdurchschnittenen Oberschenkel, der 
auf der einen Seite mit dem Querschnitt, auf der anderen mit 
dem Kniestumpf aufgelegt wird, einer demi-cuisse in Matteucci’s 
Weise (S. oben Bd. I. S. 529), und endlich von einzelnen querdurch¬ 
schnittenen Muskeln, einem Adductor magnus oder Semimembranosus 
Cuv. Nur in seltenen Fällen gelingt es, auch hier eine Spur fernerer 
Stromentwickelung in der Art wahrzunehmen, dafs noch der zweite 
Ausschlag den ersten um eine geringe Gröfse übertrifft. Die absolute 
Gröfse der Ausschläge erscheint aber freilich geringer als bei nicht er¬ 
kälteten Fröschen. 
Es obwaltet demnach hier ein ebenso ausgesprochener als bemer- 
kenswerther Unterschied zwischen dem Verhalten des natürlichen und 
künstlichen Querschnittes. Während der Strom zwischen natürlichem 
Längs- und künstlichem Querschnitte stets schon völlig oder nahe ganz 
entwickelt vorgefunden wird, zeigt der Strom zwischen natürlichem 
Längs- und Querschnitt anfangs die umgekehrte Richtung, ist gleich 
Null oder wenigstens nur äufserst klein, und erhebt sich erst im Laufe 
des Versuches allmälig zu der Gröfse, die ihm in Verhältnifs zum 
Strom zwischen natürlichem Längsschnitt und künstlichem Querschnitt,
        

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