Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/356/
356 3. Abschn. Kap. VIII. §. IV. 8(xi). Der Strom beim willkürlichen Tetanus 
liehst genauer Erforschung der elektromotorischen Beschaffenheit der Haut 
schien uns, abgesehen von der leicht zu vermeidenden Wirkung, die 
das Ausdehnen der Haut begleitet, keine andere Gefahr hier zu drohen 
als seitens der Benetzung neuer Hautstellen mit der Zuleitungsflüssig¬ 
keit. Wir haben daher Vorkehrungen getroffen, damit die cingetauch- 
ten Körpertheile die Tiefe, bis zu der sie von der Flüssigkeit bespühlt 
werden, bei der Zusammenziehung nicht verändern, und damit eine 
solche Veränderung, wenn sie dennoch stattfände, wenigstens elektro¬ 
motorisch wirkungslos bliebe (S. oben S. 281. 334). Wir durften also 
glauben, in dieser Beziehung genug gethan zu haben. 
Die Urheber des in Rede stehenden Einwurfes kennen diese Mafs- 
regeln und ihre Tragweite zum Theil sehr wohl. Allein sie fühlen sich 
dabei nicht beruhigt. Sie argwöhnen vielmehr, dafs, in Folge der 
Muskelanstrengung, die elektromotorische Beschaffenheit der Haut selber 
eine Veränderung eingehen könnte. Welcher Art diese Veränderung sei, 
und wie sie zu Stande komme, darüber lassen sic sich nicht aus. 
Nur Herr Becquerel der Vater hat sich in den Sitzungen, die die 
Commission der Pariser Akademie bei mir hielt, darüber erklärt. Sei¬ 
ner Meinung nach nämlich würde beim willkürlichen Tetanus des Armes 
eine verstärkte Hautabsonderung am Finger stattfinden. Um diese Mei¬ 
nung zu erhärten, forderte Herr Becquerel mich auf, während ich 
beide Zeigefinger zum Eintauchen in die Zuleitungsgefäfse bereit hielt, 
den einen Arm anzuspannen, ihn einige Zeitlang angespannt zu halten, 
und kurze Zeit nach dem Abspannen die Zeigefinger einzutauchen. Es 
entstand ein schwacher Ausschlag in derselben Richtung, als ob bei 
eingetauchten Fingern derselbe Arm angespannt worden wäre. 
Wie man leicht bemerkt, war nämlich der von Herrn Becquerel 
vorgeschlagene Versuch nichts Anderes, als eine fehlerhafte Form des 
oben S. 292. 293 beschriebenen Versuches, durch den ich die elektromo¬ 
torische Nachwirkung des Tetanus am lebenden unversehrten Menschen 
nachgewiesen habe. Fehlerhaft nenne ich die BECQUEREL’sche Versuchs¬ 
weise deshalb, weil dabei gar leicht Täuschungen durch Hautungleich¬ 
artigkeiten eintreten können, die sich entwickeln, während die Finger, 
ohne zum Kreise geschlossen zu sein, allerlei Einflüssen ausgesetzt an 
der Luft gehalten werden. Weder aber hat Herr Becquerel dies jemals 
einsehen wollen, noch hat die Commission meiner Erklärung des Becque- 
REL’schen Versuches jemals Gehör geschenkt. Sondern dieser Versuch 
findet sich, ohne weitere Angabe seiner Bedeutung, in einer Anmerkung 
zum Bericht angeführt,1 als von Herrn Becquerel angegeben, während 
1 Comptes rendus etc. 15 Juillet 1850. t. XXXI. p. 38. *
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.