Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/347/
an dem Unterschenkel des Kaninchens. 
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sich die Nadeln befanden, eingeschränkt bleiben würde. Nichtsdesto¬ 
weniger schrie das Kaninchen beim Tetanisiren mehrmals laut auf, und 
zwar gleichviel, ob die Oeffnungs- oder die Schliefsungsströme die auf¬ 
steigenden waren. Vom MARiANiNi’schen Gesetz also gab sich bei die¬ 
ser Gelegenheit nichts zu erkennen (Vergl. oben Bd. I. S. 361). Gleich¬ 
zeitig entstand ein Ausschlag am Multiplicator für den Nervenstrom, 
der einen auf der Seite der Nadeln absteigenden Strom anzeigte. Als 
ich nun aber die Nadeln in derselben Art auf der anderen Seite an¬ 
brachte, hatte der Ausschlag beim Tetanisiren noch dieselbe Richtung, 
und als ich endlich zu jeder Seite des Kreuzbeins, zwischen ihm und 
dem Sitzbeinstachel, eine der beiden Nadeln anbrachte, war die Richtung 
des Ausschlages auch noch stets die nämliche. Von der Richtung der 
Schliefsungs- und Oeffnungsschläge war die Richtung des Ausschlages 
unabhängig. Auch blieb die Nadel so gut wie völlig in Ruhe, als ich 
nach Tödtung und Erstarrung des Kaninchens die Versuche mit viel 
stärkeren Strömen wiederholte. 
Es ist also klar, dafs der stets gleichgerichtete Ausschlag beim 
Tetanisiren nichts Anderes war, als der Ausdruck eines zufälligerweise 
vorhandenen Unterschiedes in der elektromotorischen Wirkung der bei¬ 
den Beine, welche selbst dann gleichmäfsig in Tetanus geriethen, wenn 
die Nadeln sich auf derselben Seite des Kreuzbeins befanden. Die Stromes¬ 
schleifen, welche bis zur anderen Seite hinreichten, waren noch stark 
genug, um auch in den hier gelegenen Nervenstämmen den Gipfel an¬ 
haltender Erregung hervorzubringen. Man sollte jedoch meinen, dafs 
man, durch passende Abschwächung der Ströme, zuletzt bei einem 
Punkt anlangen müfste, wo dies nicht mehr der Fall wäre, sondern 
der Tetanus auf das Bein der Seite, wo sich die Nadeln befänden, 
wirklich eingeschränkt bliebe. 
Ich habe indessen diesen Versuch auf sich beruhen lassen, da die 
obigen für das, was wir hier beabsichtigen, bereits völlig ausreichen, 
und ich aufserdem so viel gesehen hatte, als dafs ein anderer Zweck, 
den ich mit dem letzten Versuch verband, doch nicht zu erreichen sein 
würde. Ich wünschte nämlich dabei zugleich ein Mittel zu erhalten, 
um die Nachwirkung des Tetanus an einem warmblütigen Thiere zu 
erforschen. Um diese Nachwirkung zu beobachten, mufs man über 
einen Kreis gebieten, in dem aufser dem Strom einer ruhenden Muskel¬ 
masse und einem anderen Strom, der diesem die Wage hält, kein, oder 
nur ein so schwacher Strom vorhanden ist, dafs dieser letztere nebst 
dem Unterschied der beiden einander entgegenwirkenden Ströme, gegen 
den Strom durch die Nachwirkung nicht in Betracht kommt. Wenn 
man dann bei offenem Kreise tetanisirt und unmittelbar nach Aufhören
        

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