Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/296/
296 3. Abschn. Kap. VIII. §. IV. 8 (iv). Vermischte Bemerkungen 
gut geglückt. Die meisten derselben gehörten dem gelehrten Stande an. 
Viele davon befanden sich in der Blüthe der Jahre, mehrere aber auch 
im vorgerückten, ja im Greisenalter. Auch eine junge Dame von sechs¬ 
zehn Jahren hat in Paris den Versuch mit Erfolg angestellt. Eine athle¬ 
tische Musculatur ist also zum Gelingen des Versuches kein unumgäng¬ 
liches Erfordernis. Nichtsdestoweniger wird durch die Stärke und 
Uebung der Muskeln sein Gelingen sicherer, sein Erfolg glänzender ge¬ 
macht. Und es ist sehr merkwürdig, wie viel dabei, selbst wenn diese 
Bedingungen erfüllt sind, noch auf den Augenblick ankommt. Die ge¬ 
ringste körperliche Verstimmung, das leiseste Unwohlsein übt einen Ein- 
flufs aus auf die Art, wie der Versuch von statten geht. 
Eine andere Bedingung, von der viel abhängt, und die auch noch 
dem Individuum anhaftet, welches sich dem Versuch unterzieht, ist die 
Leitungsfähigkeit der Oberhaut. Die Wirkungen, die zwei Individuen 
hervorbringen, sind begreiflich nicht ihrer elektromotorischen Leistung 
an sich, sondern dieser dividirt durch den Widerstand des Kreises pro¬ 
portional. Von der Leitung durch die Oberhaut hängt aber dieser letz¬ 
tere, wie man sich erinnert, vor allen Dingen ab (S. oben S. 191 ff.). 
Schwache Muskeln können durch feine feuchte Haut in ihrer Wirkung 
begünstigt, starke Muskeln hingegen durch derbe trockne Haut darin 
beeinträchtigt werden, und so erstere über letztere in dem Wettstreit 
an diesem neuen Kraftmesser gewissermafsen den Sieg erschleichen. Man 
versäume daher nicht, die Haut wenigstens so gut leitend zu machen 
als möglich, indem man die Finger vor dem Versuch sorgfältig mit Seife 
wäscht, dann mit Wasser abspühlt, und nur so weit abtrocknet, dafs 
die Haut noch durchfeuchtet (moite) in die Lösung gelangt. 
Bei alledem ist ein sehr hoher Grad von Empfindlichkeit des Mul- 
tiplicators kaum zu entbehren, wenn einigermafsen in die Augen fallende 
Wirkungen erscheinen sollen. An einem Multiplicator von 3000 Win¬ 
dungen, von der Arbeit des Herrn Kleiner, an dem ich in der phy¬ 
sikalischen Sammlung in Giefsen den Versuch machte, und den ich selber 
aufgestellt hatte, erfolgten nur 2 — 3° Ausschlag auf jeder Seite.1 An 
dem Multiplicator für den Muskelstrom, an dem ich übrigens die Erschei¬ 
nung zuerst beobachtete, erhalte ich nicht mehr als 5—7° Ausschlag. 
Ich bin deshalb, wie oben schon bemerkt wurde, darauf bedacht 
gewesen, eine Abänderung des Versuches ausfindig zu machen, durch 
die er auch minder empfindlichen Stromprüfern schon zugänglich würde. 
Zuerst versuchte ich, wie sich die Stärke des Stromes vergröfsern 
würde, wenn ich die Polarisation so viel wie möglich aus dem Kreise 
1 S. unten, (vi).
        

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