Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/247/
und der Ungleichzeitiglceitsslröme der menschlichen Haut. 247 
sohle und Handrücken sich beide verhielten wie am Lebenden, an der an¬ 
deren beide umgekehrt (S. oben S. 226. 232). 
Es hält nicht schwer, eine allgemeine Vorstellungsweise zu ersinnen, 
welche von den beständigen Hautströmen und den Ungleichzeitigkeits¬ 
strömen als Wirkungen Einer Ursache Rechenschaft giebt. Man hat 
sich nur zu denken, dafs die Hautoberfläche, in Berührung mit den Zu¬ 
leitungsflüssigkeiten, der Sitz einer elektromotorischen Wirkung ist, welche 
an verschiedenen Hautstellen verschiedene Gröfse hat, so sind die be¬ 
ständigen Hautströme erklärt, physikalisch ganz ebenso, wie sie oben 
S. 14 an der Haut des Frosches von uns erklärt wurden. Um aber 
zugleich einen Grund für die Ungleichzeitigkeitsströme zu haben, mufs 
man noch die Annahme hinzufügen, dafs jene elektromotorische Wir¬ 
kung auch der Zeit nach keine ganz beständige ist, sondern vom Augen¬ 
blick der Benetzung an bis zu einer gewissen Grenze der Zeit ihre 
Gröfse verändert. 
Dafs sich auf diese Weise die Erscheinungen darstellen lassen, unter¬ 
liegt keiner Frage. Man nehme z. B. an, in der Kochsalzlösung oder 
dem Brunnenwasser, um zunächst bei diesen Flüssigkeiten stehen zu 
bleiben, sei die elektromotorische Kraft von Aufsen nach Innen gerich¬ 
tet, oder die Haut verhalte sich darin negativ, die Kraft sei aber an 
der Handsohle gröfser als am Handrücken, hier gröfser als am Fufs 
(bei im Bein absteigendem Strom zwischen Hand und Fufs), am Fufs 
gröfser als am Elbogen, dem Knie und der Brust, so sind die bestän¬ 
digen Hautströme erklärt, wie sie beobachtet sind. Man denke sich 
noch, dafs die Kraft mit der Dauer der Benetzung bis zu einer gewissen 
Grenze abnimmt, so folgen auch die Ungleichzeitigkeitsströme, gleichfalls 
wie sie beobachtet sind. Oder man nehme im Gegcntheil an, die Kraft 
habe die Richtung von Innen nach Aufsen, d. h. die Haut verhalte sich 
in der Kochsalzlösung positiv. Alsdann braucht man nur in der obigen 
Reihe von Hautstellen jeder erstgenannten die kleinere, jeder folgenden 
die gröfsere Kraft zuzuschreiben, die Kraft aber mit der Dauer der 
Benetzung, statt abzunehmen, in Gedanken vielmehr bis zu einer ge¬ 
wissen Grenze zunehmen zu lassen, um die Erscheinungen gleichfalls 
genau dargestellt zu haben. 
Wer im Gebiete des Galvanismus bewandert ist, wird hier leicht 
völlig den nämlichen Kreis von Beziehungen wiedererkennen, auf den 
Fechner bei der Erforschung des elektromotorischen Verhaltens der 
Metalle und der Flüssigkeiten geführt worden ist. Eine innere Ver¬ 
wandtschaft der Erscheinungen ist allerdings noch nicht zu behaupten. 
Die elektromotorische Kraft, die sich in der Berührung der Metalle und 
der Flüssigkeiten entfaltet, rührt, nach Fechner, wenn nicht ausschliefs-
        

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