Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/244/
244 3. Äbschn. Kap. VIII, §■ IV. 5 (vi). Erörterung der beständigen 
aus dem gröfseren Widerstande, den die benetzte Hautstelle an der Brust, 
im Vergleich zur Haut des Fufses oder der Hand, dem Strome darbietet 
(S. oben S. 197), Und dafs, z. B. bei negativem Verhalten des Fufses 
gegen die Hand, uns der Strom vom Fufs zur Brust nicht, wie es der 
Fall sein müfste, schwächer erschienen ist als der von der Hand zur 
Brust, rührt daher, dafs die Natur der Versuche hier überhaupt gar 
keine Vergleichung von Stromstärken zuläfst, wenn es sich nicht um 
ganz ungeheure Unterschiede handelt. 
Man kann folglich, ohne den Thatsachen irgend welchen Zwang 
anzuthun, die Ströme zwischen Hand oder Fufs und Brust zurückführen 
auf blofse Hautströme. Diese Deutung ist um so wahrscheinlicher, als 
andere Ströme von ganz ähnlicher Erscheinungsweise, die wir auch an¬ 
fangs geneigt waren für den Muskelstrom zu halten, wie der Strom 
zwischen Hand und Elbogen, sich zuletzt in Hautströme aufgelöst haben. 
Ferner ist noch zu erwägen, wie keinesweges mit aller Sicherheit zu 
behaupten ist, dafs nicht unter Umständen auch der Strom von Hand 
oder Fufs zur Brust in Kalilauge verschwinde. Beobachtet ist es frei¬ 
lich nicht. Aber auch der Strom zwischen Hand und Elbogen hielt 
manchmal der längsten Benetzung mit der Lauge Stich, und bei der 
grofsen Unannehmlichkeit der Versuche mit dieser Flüssigkeit, namentlich 
bei Anwendung des Brustgefäfses, habe ich die Versuchsreihen doch 
vielleicht nicht hinlänglich vervielfältigt, um auf diese Erscheinungsweise 
zu stofsen, die sich mir bei zahlreicheren Versuchen möglicherweise zu¬ 
letzt noch dargeboten hätte. So gelangt man also auf diesem Wege zu der 
Vorstellung, dafs eigentlich jeder Grund mangelt, die Ströme von Hand 
und Fufs zur Brust nicht auch für blofse Hautströme anzusehen, in 
denen höchstens, wie in den anderen Hautströmen auch, ein gröferer oder 
geringerer Bruchtheil verborgen sein mag, der aus den Muskeln entspringt. 
Auf der anderen Seite könnte man der Meinung, die fraglichen 
Ströme seien der Muskelstrom, dadurch zu Hülfe zu kommen suchen, 
dafs man die Bedeutung der Versuchsreihe in verschiedenen Zuleitungs¬ 
flüssigkeiten überhaupt in Frage stellte. Man könnte nämlich muth- 
mafsen, dafs die verschiedene Erscheinungsweise der Ströme in den ver¬ 
schiedenen Flüssigkeiten nicht davon herrühre, dafs die elektromotorische 
Kraft dieser Ströme selbst eine Aenderung erleide. Sondern während 
diese Ströme, die in der That nichts anderes seien, als der Muskelstrom, 
an und für sich beständig blieben, entwickelten sich an der Grenze der 
Haut und der Zuleitungsflüssigkeiten elektromotorische Kräfte, welche 
denen jener Ströme das Gleichgewicht hielten oder gar sie überwögen, 
und dadurch die Erscheinungsweise der Ströme von der Natur der Zu¬ 
leitungsflüssigkeit abhängig erscheinen liefsen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.