Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/218/
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3. Abschn. Kap. VIII. §■ IV. 4 (i). Von den Strömen 
4. Von der durch ungleichzeitiges Benetzen bedingten elektro¬ 
motorischen Ungleichartigkeit der Haut des Menschen. 
(i) Von den Ungleichzeitigkeitsströmen an verschiedenen Theilen 
des menschlichen Körpers und in verschiedenen Flüssigkeiten. 
Wir kennen jetzt das elektromotorische Verhalten zweier unver¬ 
letzten Finger, die man gleichzeitig in eine mannigfach beschaffene Zu¬ 
leitungsflüssigkeit taucht und dauernd darin hält, sowohl bei gleicher, 
als bei ungleicher Temperatur der Finger. Wir schreiten nun dazu, 
Kenntnifs zu nehmen von der Erscheinung, um derenwillen bisher stets 
verlangt worden ist, dafs die Finger gleichzeitig eingetaucht werden 
sollten. 
Ich wurde darauf geführt durch die oben S. 10 mitgelheilten Beob¬ 
achtungen über den an der Froschhaut durch ungleichzeitige Benetzung 
bedingten elektromotorischen Unterschied. Ich habe versucht, ob etwas 
ähnliches sich auch an der Haut des lebenden unversehrten Menschen 
kund geben würde, und ich habe gefunden, dafs dies in der That der 
Fall ist. 
Läfst man nämlich zwischen dem Eintauchen zweier Finger in die 
gesättigte Kochsalzlösung der Zuleitungsgefäfse, gleichviel ob die Finger 
ganz trocken oder eben erst mit Seife gewaschen worden sind (S. oben 
5. 204), eine gewisse Frist verstreichen, so verhält sich stets der jüngst- 
eingetauchte Finger negativ gegen den erstbenetzten, d. h. er spielt die 
Rolle des negativen Metalls eines Zinkplatinbogens, den man sich an 
Stelle des menschlichen Körpers über die Zuleitungsgefäfse gebrückt 
denkt (Vergl. oben ebendas. Anm.). Der Strom ist bis zu einer gewis¬ 
sen Grenze um so stärker, eine je längere Frist man hat verstreichen 
lassen zwischen dem Eintauchen des ersten und dem des zweiten Fin¬ 
gers. Zwei Minuten Zeitunterschied im Eintauchen geben aber bereits 
ziemlich die stärkste Wirkung, wobei die Nadel des Multiplicators für 
den Nervenstrom, in günstigen Fällen, an die Hemmung geführt wird. 
Läfst man nun abermals einige Minuten verstreichen, und untersucht 
mittelst des Schliefsungsrohres den Zustand der Platinplatten, so findet 
man entweder keine Ladungen vor, oder nur solche, welche auch nach 
gleichzeitigem Eintauchen und dauerndem Eingetauchthalten entstanden 
wären in Folge des Eigenstromes der Finger. Die Finger haben sich 
also wieder mit einander abgeglichen. Sie thun dies auch, ohne dafs 
die Gefäfse, in die man sie getaucht hält, mit einander zum Kreise ge¬ 
schlossen sind. Taucht man beide Finger in zwei nicht mit einander 
leitend verbundene Gefäfse mit gesättigter Kochsalzlösung, läfst sie eine
        

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