Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/193/
des menschlichen Körpers. 
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türlich von Weber zu hoch angeschlagen worden, da mit wachsender 
Temperatur die Polarisation abnimmt.1 Weber’s Zahlen, welche den 
Widerstand des Körpers in Längen destillirten Wassers angeben, wer¬ 
den sich übrigens, in Folge dieses Umstandes, der Wirklichkeit näher 
anschliefsen, als es der Fall sein würde, wenn sie jenen Widerstand in 
Kupferlängen darstellten. Nämlich sowohl Zähler als Nenner der Brüche, 
deren Werth diese Zahlen ausdrücken, werden durch die Berücksichti¬ 
gung der Polarisation in gleichem Sinne, wenn auch nicht proportional, 
verändert, oder, mit anderen Worten, Weber reifst eine zu hoch ver¬ 
anschlagte Gröfse (den Widerstand des menschlichen Körpers) mit einem 
zu grofsen Mafsstab (dem Widerstand des destillirten Wassers). 
Auffallend ist, dafs weder Weber noch Lenz sich selber diese Ein¬ 
würfe gemacht haben. Zwar ist die Polarisation durch Ströme von 
sehr kurzer Dauer erst etwas später als solche ausdrücklich nachgewie¬ 
sen worden.2 Allein Beide wufsten, dafs unter den Umständen ihrer 
Versuche der hypothetische Uebergangswiderstand sich einstellc. Weber 
erwähnt seiner (S. unten), und Lenz hatte gerade erst kurz vorher auf 
seine Gegenwart in ähnlichen Versuchen den Schlufs gegründet, dafs, 
unabhängig von der Polarisation, die er bei Strömen von so kurzer 
Dauer ausgeschlossen glaubte, ein Widerstand des Ueberganges statt¬ 
finden müsse.3 Da übrigens der Kreis nach dem Durchgang des Stro¬ 
mes geschlossen blieb, so sollte man meinen, hätte schon allein die Be¬ 
obachtung des Rückschwunges der Nadel auf die Gegenwart der Pola¬ 
risation aufmerksam machen können. Denn dieser Rückschwung mufste 
den Ausschlag auf der positiven Seite der Theilung nolhwendig auf der 
negativen an Gröfse übertreffen, sobald die Nadel durch den Strom der 
Ladungen mehr an Geschwindigkeit gewann, als sie daran verlor durch 
den Widerstand der Luft und die etwaigen Kräfte des Fadens. 
WTie dem auch sei, da weder von Weber noch von Lenz die 
Elektroden, die den Strom dem Körper zuführten, näher beschrieben 
sind, und da aufserdem die Art dieser Zuleitung, so weit sie mit Be¬ 
stimmtheit erhellt, nirgends, wenigstens nicht hinlänglich nahe, überein¬ 
kommt mit derjenigen, die wir selbst in der Folge anwenden werden: 
so wird man es gerechtfertigt finden, wenn ich in Betreff der von 
Weber und Lenz erhaltenen Zahlenergebnisse auf die Abhandlungen 
1 S. oben Bd. I. S. 239. Bd. IL Abth. I. S. 83. — Vergl. Beetz im Repertorium 
der Physik u. s. w. Bd. VIII. Berlin 1849. S. 194. 245.* 
2 S. oben Bd. I. S. 238. — Vergl. noch Vorsselman de Heer in Poggendorff’s 
Annalen u. s. w. 1841. Bd. LUI. S. 34.* 
3 Pocgendorff’s Annalen u. s. vv. 1838. Bd.XLIV. S. 349;* — 1839. Bd.XLVII. 
S. 586.* 
II. 2. 
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