Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/19/
der Hautoberfläche des Frosches. 
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weiter als bis zu diesem Schlufs bin ich nicht vorgedrungen. Ich ver¬ 
mag, auch mit Hülfe der Kenntnifs der alkalischen Natur der Haut¬ 
oberfläche und der sauren Beschaffenheit des Drüseninhalts, mir keine 
irgend läfsliche Vorstellung zurechtzulegen über den Ursprung jener 
Triebkraft und ihre schnelle Vergänglichkeit unter dem Einflufs der 
Salzlösungen, der Säuren und Alkalien.1 Was aber die Schwierig¬ 
keit, eine solche Vorstellung zu ersinnen, auf das Höchste treibt, ist 
die verhältnifsmäfsig ganz ungemeine Gröfse, die man der fraglichen 
Triebkraft zuzuschreiben genöthigt ist, wie aus folgenden Versuchen 
hervorgeht. Benetzt man einen dicken Hülfs- oder Zwischenbausch 
zur einen Hälfte mit verdünnter Salpetersäure, zur anderen mit ver¬ 
dünnter Kalihydratlösung, und berührt man die ungleichartigen Hälften 
des Bausches mit den Salzbäuschen, so erhält man, wegen der Koch¬ 
salzlösung als Zuleitungsflüssigkeit, einen Strom in der Richtung von 
der Säure zum Alkali in der Flüssigkeit.’ Der Ausschlag, den dieser 
Strom erzeugt, ist aber bei weitem nicht so stark, als der bei un¬ 
gleichzeitiger Berührung der Froschhaut mit den Salzbäuschen in den 
meisten Fällen. Ja erst bei Anwendung der unverdünnten käuflichen 
Salpetersäure und einer höchst concentrirten Kalihydratlösung schlägt 
die Nadel an die Hemmung. Anschlägen an die Hemmung findet aber 
fast regelmäfsig statt beim Anlegen sogar von Wasserbäuschen an zwei 
Hautstcllen, von denen die eine wirksam, die andere entweder künst¬ 
lich unwirksam gemacht ist oder der inneren Hautfläche angehört. Nun 
ist es keine Frage, dafs der mit den ungleichartigen Flüssigkeiten be¬ 
netzte Bausch eine unvergleichlich gröfsere Leitungsfähigkeit besessen 
habe, als die Froschhaut vollends mit den Wasserbäuschen. Die 
Froschhaut leitet gerade so schlecht, als es sich bei der Natur der sie 
durchdringenden thierischen Flüssigkeiten erwarten läfst. Ich nahm 
einst, zu einem andern Zwecke, ein Stück Schweinsblase, weichte es 
in Ilühnereiweifs auf und schnitt daraus und aus Froschhaut zwei 
Streifen von gleicher Länge und Breite. Die Streifen legte ich auf 
eine Glasplatte und liefs abwechselnd die Enden des einen und des 
anderen in zwei Gefäfse mit gesättigter schwefelsaurer Kupferoxyd¬ 
lösung tauchen, in denen die Kupferelektroden einer GitovE’schen Kette 
enthalten waren. In den Kreis schaltete ich die halbe Länge des 
Museumsmultiplicators ein (S. oben Bd. I. S. 202), dessen Empfindlich- 
1 Fast wird man verleitet, sich hier jener vielbesprochenen Hypothese Thomas 
Young’s zu erinnern, der sich dachte, dafs die Absonderungen unter dem Einflufs 
elektrischer Ströme ihre saure oder alkalische Beschaffenheit erhalten. (S. oben 
Bd. I. S. 26. 109. 487.) 
* Vergl. Fechner in PoggendorFf’s Annalen u, s. w. 1839. Bd. XLVIII. S. 235.* 
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