Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/182/
182 3. Abschn. Kap. VIII. §■ 111. Negative Schwankung des Stromes 
in die Haut an, zu welchem ich den Sitzbeinnerven in’s Freie, nach 
den Platinblechen der stromzufiihrenden Vorrichtung, hinausleitete. 
Nachdem die Nadel unter dem Einflufs des unentwickelten und 
durch Widerstand und Nebenschliefsung geschwächten Muskelstromes zur 
Ruhe gekommen war, tetanisirte ich den Unterschenkel vom Nerven aus 
auf elektrischem Wege. Es erfolgte ein Ausschlag in absteigender Rich¬ 
tung, natürlich auch ziemlich schwach, wegen des bedeutenden in den 
Kreis eingeführten Widerstandes der Fufswurzel und der Oberschenkelhaut 
und wegen der durch die Haut dargebotenen Nebenschliefsung. 
Legte ich der im Schraubstock nach oben gekehrten, folglich in’s 
Freie sehenden Wade des Unterschenkels den Nerven eines stromprüfen¬ 
den Froschschenkels an, so dafs der Nerv über natürlichem Längs- und 
Querschnitt des Gastroknemius befindlich war, so zeigte der stromprü¬ 
fende Schenkel bei einzelnen Zuckungen des eingespannten Schenkels 
die secundäre Zuckung, und gerieth in secundären Tetanus, wenn ich 
die primären Zuckungen sich zu stetigem Starrkrampf verschmelzen liefs. 
Man könnte fragen, ob nicht vielleicht in diesem Falle die secun¬ 
dären Zuckungen herrühren von Hautströmen, die durch Verschiebung 
des Nerven auf der Haut im Augenblick der Zuckung bedingt werden. 
Allein erstens könnte dann doch kein secundärer Tetanus entstehen, 
denn im Verfolg des Tetanus verändert ja der ursprünglich zuckende 
Muskel seine Lage und Gestalt nicht mehr. Für’s zweite verschiebt 
sich der stromprüfende Nerv gar nicht auf der Haut, wenn man ihm 
nur Spiel genug läfst, ihren Bewegungen zu folgen, weil er zu leicht 
ist und ihr zu fest anklebt. Drittens erhält man keine Zuckungen, 
wenn man den Nerven absichtlich auf der Haut hin und herschiebt. 
Endlich bleibt die secundäre Zuckung aus, wenn man dem Nerven solche 
Lagen ertheilt, dafs er nicht vom Muskelstrom durchflossen ist. Aus 
allen diesen Gründen, von denen jeder einzelne ausreichen würde, ist, 
wie man sieht, an die ausgesprochene Verdächtigung hier gar nicht zu 
denken. 
Es lag nahe, diese Versuche auch auf den lebenden ganz unver¬ 
sehrten Frosch zu übertragen. Die eine der Anordnungen, deren ich 
mich dazu bediente, findet sich abgebildet Fig. 24. Taf. 111. Bd. I. Man 
sieht den Frosch auf dem bekannten Rahmen ausgespannt, die Fülse 
in das eine Zuleitungsgefäfs getaucht, und den Sattelbausch die Kette 
vervollständigend zwischen dem Kreuz des Frosches und dem anderen 
Zuleitungsgefäfse. Am Rücken des Frosches sind Hautklemmen ange¬ 
bracht (S. oben Bd. I. S. 456. Fig. 25. 26. Taf. 111. Bd. IL Abth. I. 
S. 56. 605. Fig. 142. Taf. V). Die Nadel nimmt, unter dem Einflufs 
des Muskelstromes, wie er gerade beschaffen ist, eine beliebige Stellung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.