Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/11/
der Hautob erfläche des Frosches. 
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ungleichzeitige Benetzung von Metallen (S. oben Bd. I. S. 210). Allein 
hier läfst sich die Wirkung beliebig oft erneuen, indem man die 
eine Elektrode wiederum der Luft und der Trocknifs aussetzt. Diese 
Wirkung beruht darauf, dafs die metallische Oberfläche, je nachdem 
sie eingetÿicht oder in der Luft befindlich ist, zwei verschiedene Zu¬ 
stände annimmt, aus deren einem in den anderen und zurück sie be¬ 
liebige Male übergeführt werden kann. Anders ist es mit den in Rede 
stehenden Strömen wegen ungleichzeitiger Berührung der Froschhaut 
mit den Bäuschen. Es büfst nämlich die Froschhaut in dieser Berüh¬ 
rung ihre Wirksamkeit sehr bald völlig ein. 
Sind zwei Hautstellen einige Minuten lang durch die Bäusche zum 
Kreise geschlossen gehalten worden, wobei die Nadel des Multiplica- 
tors, wenn er sich im Kreise befindet, erwähntermafsen auf Null 
kommt, so gelingt es nicht mehr, durch ungleichzeitige Berührung 
derselben Stellen mit den Bäuschen einen Ausschlag zu erhalten. Aber 
bei Berührung einer dieser Stellen und einer frischen Stelle erhält man 
einen Ausschlag in der Haut von der frischen nach der anderen Stelle 
hin, wobei es nunmehr gleichgültig ist, ob die Berührung gleichzeitig 
oder ungleichzeitig geschah, und wenn das Letztere, ob der Bausch 
an der frischen oder der Bausch an der alten Berührungsstelle später 
aufgelegt wurde. Um zwei Hautstellen in der Art unwirksam zu 
machen, dafs sie bei ungleichzeitiger Berührung keinen Strom mehr 
geben, und dafs sich jede von ihnen negativ gegen eine frische Haut¬ 
stelle verhält, ist es aber nicht einmal nöthig, sie durch die Bäusche 
zum Kreise zu schliefsen. Es genügt, ihnen die Bäusche ungeschlossen 
einige Minuten hindurch anzulegen. Ja, bepinselt man einfach ein 
Stück Froschhaut mit gesättigter Kochsalzlösung, so giebt es bei un¬ 
gleichzeitiger Berührung mit den Bäuschen keine Ströme mehr. 
Der nächste Grund dieser Ausschläge wegen ungleichzeitiger Berüh¬ 
rung ist sonach klar. Jede Berührungsstelle ist der Sitz einer elektro¬ 
motorischen Kraft in der Richtung von dem Bausch in die Haut hin¬ 
ein. Allein die Berührung der Salzlösung beeinträchtigt zugleich die 
Ursache dieser elektrischen Triebkraft. Daher bei ungleichzeitigcr Be¬ 
rührung der Strom im Sinne der Triebkraft an der jüngsten Berüh¬ 
rungsstelle, der so lange anhält, bis der Unterschied der Triebkräfte 
an beiden Stellen unmerklich geworden ist. 
Hier könnten wir, genau genommen, die Untersuchung der Haut¬ 
ungleichartigkeiten auf sich beruhen lassen. Wir wissen genug davon, 
um nunmehr unsere Forschungen über den Muskelstrom ungestört 
durch dieselben fortsetzen zu können. Indessen wollen wir diese 
Anwendung der gewonnenen Einsicht noch etwas aufschieben und
        

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