Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Compensation der physischen Kräfte am menschlichen Stimmorgan: Mit Bemerkungen über die Stimme der Säugethiere, Vögel und Amphibien
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16146/47/
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Stimmbänder durch die beschriebene Vorrichtung zu fixiren, aus- 
zuführen sind. 
Die Lutt spricht am leichtesten am Stimmorgan der Singvö¬ 
gel an, wenn man mittelst des Buccinatorius kurz ansetzend blässt. 
Der neuholländische Casuar giebt abgebrochene und sich von 
Zeit zu Zeit wiederholende dumpfe brummende Töne von sich, 
wie ich öfter zu hören Gelegenheit hatte. Der Mechanismus die¬ 
ser Laute ist noch unbekannt, steht aber ohne Zweifel mit der 
eigenthümlichen Bildung der Luftröhre im Zusammenhang, die 
sich mittelst einer Spalte in einen grossen Sack öffnet. An der 
Theilungsstelle des untern Endes der Luftröhre befindet sich nichts, 
was diese Töne erklären könnte. 
W as die Erweiterungen an der Luftröhre der Mergus 
und männlichen Enten betrifft, so latst sich mit ziemlicher 
Wahrscheinlichkeit der Einfluss derselben auf den Ton des un¬ 
tern Kehlkopfs bestimmen. Diese Erweiterungen müssen auf die 
Zungentöne des untern Kehlkopfes gerade so, wie längere Luft¬ 
röhren ohne Erweiterungen wirken. Denn die Grundtöne der 
Luftsäulen dieser erweiterten Luftröhren finde ich viel tiefer, 
als die Grundtöne von nicht erweiterten Luftröhren gleicher Länge. 
Ich verglich die Grundtöne der Luftsäulen zweier getrockneter 
Luftröhren ohne obern und untern Kehlkopf. Beide waren von 
gleicher Länge, Zoll, beide mit Ausnahme der Erweiterungen 
der einen 3 Linien breit. Die eine war ganz gleichförmig cy~ 
lindrisch, die andere hatte 2 spindelförmige ansehnliche Erweite¬ 
rungen. Gedeckt gab die cylindrisclie a, die erweiterte dis, offen 
gab die erstere a, die letztere dis. 
Unter den Amphibien kommen die Crocodile, die Frösche 
und Kröten und die Pipen in Hinsicht der Stimme in Betracht. 
Der Kehlkopf der Crocodile besitzt sehr starke Stimmbänder, 
oder Labien der Glottis, welche unter sich einen geräumigen 
\entrikel auf jeder Seite haben. Sie befinden sich jederseits an 
einem gebogenen knorpeligen Streifen, dessen vorderes und hin¬ 
teres Ende vorn und hinten am obern Umfang eines ringförmigen 
Knorpels befestigt sind. Diese dicken Labia gerathen beim Blasen 
durch die Luftröhre ganz so, wie die Stimmbänder des Menschen 
in Schwingung. Die Töne, die ich auf diese Weise beim Alli¬ 
gator lucius erhielt, gleichen den Falsettönen der menschlichen 
Stimme. 
Beim männlichen Frosch ist das Verhalten das folgende. Die 
Stimmbänder sind doppelt, das untere bildet eine Falte am äu- 
fsern Umfang des Eingangs des Bronchus in den Kehlkopf. Das 
obere ist das Hauptstimmband, und springt weit in die Höhle des 
Kehlkopfs vor, an der grofsen muschelartigen Cartilago arytenoidea 
von vorn nach hinten ausgespannt. Es ist keine einfache Quer¬ 
falte, der elastische Theil des Bandes befindet sich am freien 
Bande der Falte, und bildet eine Platte mit halbmondförmigem 
obern und untern Rande. Vergi. Mayer Analckten Taf. 4. Fig.'4. 
von Bujo Lazarus. Die inneren Flächen dieser Platten oder Bän¬ 
der schliefsen die Stimmritze ein. Der äufsere Umfang der Platten
        

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