Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Compensation der physischen Kräfte am menschlichen Stimmorgan: Mit Bemerkungen über die Stimme der Säugethiere, Vögel und Amphibien
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16146/36/
31 
Wiederkäuern. Dagegen müssen sie allerdings zur Verstärkung 
des Klanges beitragen, und man sieht sie, wie die Wände der 
morgagniseben Ventrikel, namentlich bei der Bruststimme stark 
mitschwingen, was aber von allen elastischen Membranen am 
Kehlkopf, auch vom Ligamentum cricothyreoideum gilt. Nur wenn 
die oberen Stimmbänder zu sehr genähert sind, gaben sie auch 
eigene Töne an. Tiefe brummende Töne gab auch der Kehldeckel 
zuweilen an, wenn er die nötbige Stellung zum Luftstrom hatte, 
diese Töne waren weit von den Tönen der untern Stimmbänder 
verschieden. 
Die Stimme wird durch Herabdrücken des Kehldeckels im 
Timbre sehr, in der Höhe kaum etwas verändert. Man muss 
jedoch vermeiden, dass bei diesem Versuch beim Herabdrücken 
des Kehldeckels nicht eine Spannung in den elastischen Membranen 
eintritt, die mit dem Kehldeckel und hinwieder mit den Stimm¬ 
bändern im Zusammenhang stehen. Geschieht diess, was sehr leicht 
ist, so erhöht sich natürlich der Ton. Um alle Täuschung zu ver¬ 
meiden, ist es am besten den Kehldeckel abzuschneiden, und indem 
man ihn in eine Pinzette fasst, abwechselnd damit den Eingang des 
Kehlkopfes zu bedecken und ihn wieder zu entfernen. Bei Kaut- 
schouckzungen wirkt ein Obturator vor den Bändern leicht erhöhend, 
wie ich an einem andern Orte zeigte, und nach der Theorie sollte 
man auch hier ähnliches vom Kehldeckel erwarten. Es schien mir 
jedoch kaum einigemal eine irgend merkliche Aenderung einzutreten. 
Die gänzliche Entfernung des Kehldeckels verändert übrigens die 
Stimme nicht wesentlich. Die Erhöhung des Tons hei stärkerm 
Blasen wird durch den Kehldeckel nicht verhindert. Am leben¬ 
den Körper wird durch Verengung des Aditus glottidis superior 
vermittelst der Zunge und mit Hülfe des Kehldeckels das Timbre 
der Stimme bis zur Nasenstimme, und zur Nachahmung der Thier- 
und eigentümlichen Menschenstimmen verändert. 
Bei den Versuchen über die Erzeugung der Bruststimme an 
Kehlköpfen, die nach der von mir angegebenen Weise präparirt 
sind, kommen Brusttöne zum Vorschein, welche eine volikommne 
Aehnlichkeit mit den Brusttönen der menschlichen Stimme haben, 
obgleich alle Theile über den untern Stimmbändern abgeschnitten 
sind. Ich habe die Versuche auch so angestellt, dass nic^t bloss die 
morgagnrschen Ventrikel, die oberen Stimmbänder, der Kehldeckel, 
sondern auch die Fauces mit Nase und Mund erhalten waren, indem 
ich dieselben Mittel anwandte, deren Einfluss ich schon im Einzelnen 
studirt hatte. Hierbei habe ich abermals keine neuen Elemente ken¬ 
nen gelernt, aber der Klang der Stimme wird der menschlichen noch 
ähnlicher, und bei den von mir noch anzugebenden Vorrichtun¬ 
gen zuweilen so ähnlich, dass aller Unterschied des lebenden 
Körpers und der Maschine verschwunden ist. Diese Versuche 
sind viel schwieriger als die vorhergehenden. Es kömmt aber¬ 
mals auf Fixation und Unterwerfung des Kehlkopfs dem Mass und 
Gewicht an; diese Anwendung ist aber gerade hier viel schwieri¬ 
ger. Ich verfahre folgendermafsen : 
Der Kopf einer Leiche wird so abgeschnitten, dafs der ganze 
Stimmapparat mit einem Theil der Luftröhre daran hängt. Die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.