Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den feinern Bau und die Formen der krankhaften Geschwülste
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16135/13/
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den, wenn alle Unterschiede der Gewebe der einzelnen Schichten des Magens ganz aufgehoben, und den mit Gallerte 
gefüllten Zellen gewichen sind. Bildliche Darstellungen von dem fächerigen Ansehen der Muskelhaut des Magens 
■finden sich in den meisten pathologisch-anatomischen Kupferwerken, welche die äussere mit blossen Augen erkennbare 
Structur des Magenkrebses darstellen. Ich verweise auf Cruveilhier anatomie pathologique Livr. 12. 'fab. G., Carswell 
pathological ■anatomy. Carcinoma. Tàb. I, Fig. I. 2., Tab. III. Fig. I., Seymour medico-chirurgical Transactions XIV. 
Tab, 1.^ Baillie morbid anatomy. Engravings. Fasc. 3. Tab. VII. Fig. I. A. Monro scheint das fächerartige An¬ 
sehen der Durchschnitte der carcinomatösen Muskelhaut zuerst bemerkt zu haben. Er sagt: The muscular fibres 
°f tiie muscular coat are seldom to be seen, and when visible, are generally of a paler colour than natural and are 
separated from each other by cartilaginous (?) septa of different, thickness in different cases #). 
Diese fächerige Beschaffenheit der Muskelhaut kommt nicht bloss beim Magenkrebs, sondern auch beim Krebs 
•anderer mit einer Muskelhäut versehene* Theile vor. Ich sah sie beim Scirrhus des Mastdarms in der Pockcls- 
js;chm Sammlung, beim Scirrhus oesophagi mit Scirrhus des Magens in derselben Sammlung. Sie kommt auch an 
der Uriiiblase vor. 
Eine Abbildung der fächerigen Bildung vom Carciüom der Speiseröhre findet sich bei Baillie Fase. 3. Tab. IV. 
Fig. 2., vom Carcinom des Rectum ebendaselbst, Fase. 4. Tab. IV, Fig. I. 
Die Fächerung ist nicht einer bestimmten Krebsart eigen, sondern kommt meist bei allen Formen des Krebses 
Vor. Ich sah sie häufig beim Carcinoma alveolare des Magens und beim Carcinoma simplex desselben. Gleich deutlich 
war sie bei feinem Medullarsarcom des Magens in der Pockelsschen Sammlung. 
Andere allgemeine Charactere des Carciiloins giebt es nicht. Denn weder ist dem Carcinom immer eigen, dass 
es sich von innen nach aussen oder excentrisch entwickelt oder erweicht, noch zeichnet es sich durch anfänglichen 
Mangel oder eigentümliches Verhalten der Gefässe aus. Die Gebisse verhalten sich darin wie in andern Theilen, sie 
>ind bald sparsam, bald ausserordentlich zahlreich. 
Die positiven Charactere der Structur der Carcinome zeigen übrigens durchaus nichts lieterologes oder der ge¬ 
sunden Organisation fremdes, die Formenelemente sind theils solche, die auch im gesunden erwachsenen Organismus, 
tlieils solche, die im primitiven foetalen Zustande der Gewebe Vorkommen, Zellen, Zellfasern und Fasern. Da sich 
.die Zellfaserii aus Zellen, die Fasern aus Zellfasern bilden, so sind die Unterschiede der Extreme nur darin begrün¬ 
det, wo die Entwickelung stehen bleibt, ob bei der Zelleubildung oder bei der Umwandlung der Zellen in Zellfasern, 
oder ob sie rasch zur Faserbildung teudirt. 
Alle carcinomatösen Geschwülste enthalten als Hauptmasse einen eiweissartigen Körper. Werden sie von 
•Zellgewebe und Häuten befreit, 18-—24 Stunden gekocht, so erhält man in der Regel keinen oder sehr wenig Leim, 
in vielen Fällen nicht eine Spur. Ich habe den Versuch mit carcinomatösen Geschwülsten sehr oft wiederholt. Die 
Hauptmasse der Carcinome ist beim Kochen ganz unlöslich. Das wenige, was aufgelöst wird, kann Käsestoff und 
Speichelstoff enthalten. Man hat bisher unter den krankhaften Degenerationen nur vier, den Scirrhus, das Medullar¬ 
sarcom , den Alveolarkrebs und den melanoiisehen Krebs unterschieden. Wir Laben diese Formen um zwei sehr chä- 
racteristiscbe vermehrt, und das Carcinoma reticulare und fasciculatum hinzugefügt. 
- I. Vom Scirrhus oder Carcinoma simplex, (Synwii. Carcinoma fibrosum.) 
Die gewöhnliche einfachste Form des Carcinoms der weiblichen Brust, der Scirrhus, wurde vor Entdeckung 
des MeduUarsarcoms: durch Burns und des Alveölarkrebses'durch Laennec als die einzige Form der krebsliaften 
Degeneration angesehen, Auf diese fast knorpelig harte, unregelmässig begrenzte, selten gelappte, auf dem Durch¬ 
schnitt grauliche. Degeneration, welche meist eine Verwachsung der Haut mit der Geschwulst und ein Einsinken der 
Brustwarze bedingt, beziehen sich die meisten älteren Beschreibungen des Carcinoms. 
Mit; der anatomischen Untersuchung des geineiuen.Brustkrebses haben sich Adams, Baillie, Abernethy, Bayle und 
Cayol, Laienn.ec, Bireschet im&Ferrus, Crtweilhier, Wärdrop, Travers, Home, Scarpa und viele andere beschäftigt. 
'Adams :"";;t) stellte die von ihm auf keine. Weise erwiesene Hypothese auf, dass der Krebs von belebten hyda- 
tidöseH Bläschen eusgeke, Man kann vermuthea, dass er auf diese Vorstellung durch Anschauungen von Zellen des 
Alveolarkrebses gekommen ist, denn dass Adams Beobachtungen mit dem Compositum angestellt habe, geht aus seiner 
Schrift nicht hervor. Die Entwickelung des Carcinoms aus belebten mikroskopischen Keimzellen ruft allerdings die Vor¬ 
stellung von Adams ins Gedächtniss, indess kann man ihr schwerlich einiges Verdienst in der Geschichte des Gegen¬ 
standes zuerkennen. Denn aus Zellen entwickeln sich alle Gewebe, und ein sehr grosser Theil der nicht krebsliaften 
Geschwülste bestellt aus Zellen. ■ Dfen -Ideen- von Adams verwandt ist die neuerlich von Hodgkin vorgetragene 
Ansicht, dass Scirrhus uud Medullarsarcom wie die zusammengesetzten Cystoiden aus Cysten entstehen, welche aus 
*) The morbid anatomy, of the human gullet, stomach and intestines» Edinb. 1811. p. 322. 
**) J. Adams observations on the cancerous breast* London. 1801. 8. 
***) Medico - chirurgical transactions XV. p. 2. und morbid anatomy of the serous and mucous membranes. London. 1836.
        

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