Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Versuche an überlebenden Organen der warmblütigen Tiere
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15622/3/
Die Nährflüssigkeit. 
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I. Die Nährflüssigkeit. 
Als beste und einzige normale Nährflüssigkeit ist von vornherein das 
ungeronnene und unverdünnte Blut des Tieres, dem das Organ entnommen 
ist, zu bezeichnen. Auch wurden schon vor langer Zeit Versuche damit 
gemacht, indem man die Arterie und die Vene einer ausgeschnittenen Niere 
mit der A. carotis und der V. jugularis desselben oder eines anderen In¬ 
dividuums derselben Art verband (Loebell (38), Bidder (3)). 
Diese Versuche blieben indessen lange ohne Erfolg, und man hatte sie 
schon als aussichtslos aufgegeben, als es in der letzten Zeit Ullmann (57), 
Carrel und Guthrie (10, 11, 21) gelang, eine wirkliche Nierentransplanta¬ 
tion auszuführen und also nachzuweisen, daß die von ihrem normalen Orte 
entfernte Niere durch Speisung mit natürlichem Blut vollständig leistungs¬ 
fähig erhalten werden kann. 
Auch die Versuche mit gekreuzter Zirkulation zwischen zwei Tieren, 
wie sie von Fredericq (16) ausgeführt worden sind, gehören gewissermaßen 
hierher, wie überhaupt.alle Versuche, wo ein Organ an demselben oder einem 
anderen Tiere transplantiert worden ist. 
Die verpflanzten Organe stellen indessen, streng genommen, keine iso¬ 
lierten überlebenden Organe dar, und vor allem können sie nicht für viele 
der speziellen Aufgaben dienen, die man an der Hand der isolierten Organe 
lösen will. 
Das ganz unveränderte, faserstoffhaltige, nicht geschlagene und in keiner 
anderen Weise seiner Gerinnungsfähigkeit beraubte Blut läßt sich, wegen 
der schnell eintretenden Gerinnung, leider nicht zur Speisung der vom 
Körper isolierten Organe benutzen und man ist daher gezwungen gewesen, 
in erster Linie geschlagenes Blut anzuwenden. 
In vielen Fällen genügt aber die gesamte Blutmenge eines Tieres nicht 
zum längeren Unterhalten der künstlichen Zirkulation, und man ist daher 
oft gezwungen, für einen einzigen Versuch mehrere Tiere zu opfern, wenn 
man nur arteigenes Blut benutzen will. Da die Versuche hierdurch sehr 
kostspielig werden können, hat man entweder artfremdes Blut benutzt 
(das Blut der gewöhnlichen Schlachttiere) oder auch das arteigene Blut in 
geeigneter Weise verdünnt oder endlich statt Blut eine vollkommen künst¬ 
liche Nährflüssigkeit angewendet. 
Alle diese Ersatzflüssigkeiten sind indessen als .mehr oder minder abnorm 
zu bezeichnen. 
Dies gilt selbst vom unverdünnten, geschlagenen Blute des Versuchstieres 
selbst, denn das Schlagen des Blutes mit dem begleitenden Zertrümmern 
zahlreicher Blutkörperchen und den davon bedingten Veränderungen in der 
chemischen Zusammensetzung des Blutes darf keineswegs als ein vollkommen 
unschuldiger Vorgang aufgefaßt werden. 
Daß diese Veränderungen im Blute insbesondere auf gewisse Organe 
sehr schädlich einwirken, geht mit großer Deutlichkeit aus folgenden Erfah¬ 
rungen von Pfaff und Vejnx-Tyrode (47) hervor. 
Wie bei den Versuchen früherer Autoren war es auch bei diesen nicht 
möglich, die ausgeschnittenen, mit reinem, geschlagenem Blute ernährten
        

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