Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Versuche an überlebenden Organen der warmblütigen Tiere
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15622/2/
52 R- Tigerstedt, Versuche an überlebenden Organen der warmblütigen Tiere. 
der Speicheldrüsennerven auch nach Aufhören des Herzschlages eine Speichel¬ 
absonderung hervorruft, und Luchsingers (39) Nachweis davon, daß bei 
der Katze in den ersten 15 bis 20 Minuten nach der Amputation eines 
Beines bei Reizung des N. ischiadicus stets neue Schweißperlen im abge¬ 
trennten Körperteile zutage treten. Zu erwähnen ist auch, daß gewisse 
Organe der Warmblüter länger als andere nach Aufheben des Kreislaufes 
erregbar und leistungsfähig bleiben. 
Ein Warmblüterorgan, das scheinbar ganz unerregbar ist, braucht in¬ 
dessen nicht gestorben zu sein: im Gegenteil befindet es sich gar nicht selten 
in einem eigentümlichen Zustande von Scheintod, wie daraus hervorgeht, daß 
dieses Organ durch Herstellen eines künstlichen Kreislaufes oder ganz ein¬ 
fach durch Einsenken in eine Flüssigkeit von geeigneter Zusammensetzung 
zu erneuerter Tätigkeit wiedererweckt werden kann. 
Da die Methoden für die künstliche Ernährung des überlebenden Säuge¬ 
tierherzens von 0. Frank im Zusammenhang mit den übrigen Methoden der 
Hämodynamik besprochen sind (s. dies Handbuch, Bd. II, Abt. 4, S. 144) 
und die an den Muskeln des Verdauungsrohres benutzten Methoden von 
Magnus dargestellt worden sind (s. dies Handbuch, Bd. II, Abt. 1, S. 139), 
werde ich hier nur über die übrigen, hierher gehörigen Versuchsweisen be¬ 
richten. 
Das Prinzip dieser Methoden ist sehr einfach: die künstliche Ernährung 
soll die Verhältnisse bei der normalen Zirkulation so viel wie möglich nach¬ 
ahmen. Durch die Gefäße des ausgeschnittenen Organes muß also eine 
Flüssigkeit, deren Zusammensetzung später etwas näher besprochen werden 
wird, in zweckmäßigem Rhythmus und bei zweckmäßigem, leicht zu regu¬ 
lierendem Druck getrieben werden; diese Flüssigkeit muß vor allem dem 
Organ Sauerstoff in genügender Menge zuführen; auch muß das Organ vor 
Abkühlung und Verdunstung in geeigneter Weise geschützt werden. In 
vielen Fällen ist es außerdem notwendig, das aus der Vene des Organs aus¬ 
strömende Blut genau sammeln und messen zu können; in anderen Fällen 
endlich, wo es gilt, den Gaswechsel des ausgeschnittenen Organs zu Unter¬ 
suchen, muß noch die Nährflüssigkeit vor nicht beabsichtigter Berührung mit 
der umgebenden Luft geschützt werden. 
Wo es sich um Organe mit dünner Wand handelt, wie z. B. beim Darm 
und Ureter usw., genügt es für viele Zwecke, das Organ in die Nährflüssig¬ 
keit zu legen, ohne irgendwelchen künstlichen Kreislauf zu etablieren. Hier¬ 
bei muß aber jedenfalls für die nötige Zufuhr von Sauerstoff, für die ge¬ 
eignete Temperatur usw. gesorgt werden. 
Bei den Untersuchungen an . überlebenden Organen kommen natürlich noch die ge¬ 
wöhnlichen Vorrichtungen zur Registrierung etwa vorhandener Bewegungen und andere 
Methoden, durch welche die Vorgänge im Organe untersucht werden können, in Be¬ 
tracht. Diese bieten indessen nur wenig für die ausgeschnittenen Organe an sich 
Charakteristisches dar, weshalb ich mich hier allein auf die Frage nach der Bewahrung 
der Leistungsfähigkeit solcher Organe beschränken werde.
        

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