Bauhaus-Universität Weimar

Die Bestimmung der Verbrennungswärmen. 
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Bei jeder Verbrennung entsteht etwas Salpetersäure und salpeterige 
Säure, nicht unwesentlich trotz Stearinsäirrezusatz bei Substanzen wie Harn¬ 
stoff oder Harnsäure. In diesen Fällen habe ich das Kalorimeterwasser 
konzentriert und mittels der Schlösingschen (Schultzeschen) Methode 
durch Erhitzen bei Gegenwart von Eisenchlorid und Salzsäure, die Nitrate 
und Nitrite als Stickoxyd bestimmt und in Rechnung gestellt.1) 
Die Chloratmethode erfordert Vorversuche über den- besten Verbrennungs¬ 
verlauf (bei N-haltigen Körpern auch betreffs der Zusätze, z. B. von Naphta¬ 
lin oder Stearinsäure). Die Regulierung der Verbrennungsgeschwindig¬ 
keit wird durch Beigabe gepulverten Bimssteins vorgenommen, je mehr zu¬ 
gesetzt wird, um so langsamer verbrennt die Substanz. Als Zündstoff wurde 
meist ein Baumwollfaden, der in chlorsaure Kalilösung getaucht und getrocknet 
war, benutzt, oder auch elektrische Zündung. 
Bei zu schneller Verbrennung verflüchtigt etwas Chlorkalium, dessen 
Dämpfe man wahrnimmt. Um sicher zu sein, daß die Verbrennungsmischung 
gut abgebrannt ist und alles Chlorkalium gelöst ist, wurde am Ende der Ver¬ 
such einer Chlortitrierung des Wassers vorgenommen. 
Am Ende des Versuchs muß die bei der Verbrennung entstandene 
Schmelze des Chlorkaliums vollständig aufgelöst sein, weil hierdurch Wärme¬ 
bindung erfolgt und dieser Vorgang in allen Experimenten gleich verlaufen muß. 
Die Chloratmethode versagt bei den für physiologische Zwecke nötigen 
Verbrennungen auch bei den sehr schwierig zu verbrennenden Substanzen 
nicht. Es ist durchaus unberechtigt, diese Methodik für weniger leistungs¬ 
fähig zu halten als die jetzt gebräuchlichen, ja nicht ausgeschlossen, daß 
man auf sie wieder zurückgreifen wird.2) 
r Die Berthelotsehe Bombe. 
Berthelot ist dazu übergegangen, die Verbrennung nicht bei gewöhn¬ 
lichem Druck vorzunehmen, sondern hat Sauerstoff unter hohem Druck an¬ 
gewandt (1881). Da unter soldi en Bedingungen die Substanzen zumeist sehr 
glatt verbrennen, hat sich die Methode alsbald weit verbreitet. Die Methode3) 
ist erst viele Jahre nach ihrer ersten Beschreibung in Gebrauch gekommen, 
da die Kosten der Anschaffung des Kalorimeters außerordentlich hohe waren: 
seitdem billigere Instrumente im Handel Vorkommen, hat sich ihr Gebrauch 
sehr verallgemeinert und wegen der großen Handlichkeit die Chloratmethode 
verdrängt. 
Die Einrichtung des Berthelotschen Verbrennungsgerätes ist folgende: 
Zur Aufnahme der Kalorimeterteile dient ein doppelwandiges kupfernes, 
im Versuchsfall durch eine Ebonitplatte oben abzudeckendes, mit Wasser 
gefülltes Gefäß, auf welchem die Rührvorrichtung und der Halter für das 
Thermometer montiert sind. In seinem Hohlraum steht auf drei Isolier- 
klötzchen das aus Messingblech hergestellte versilberte Kalorimeter, in dem 
Kalorimeter die Bombe. Um die Bombe bewegt sich durch ein Triebwerk, 
mit der Hand in Bewegung gesetzt, der Mischer, gleichfalls versilbert. 
1) 1. c. S. 285. 
2) s. auch Longuinine, Bestimmung der Verbrennungswärme, Berlin 1877, S. 59. 
3) Annal. Ckim. [6] 6. 546, 10. 433, 13. 289.
        

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