Bauhaus-Universität Weimar

III. 
Die Kalorimetrie 
von 
Max Rubner in Berlin. 
(Mit 40 Figuren.) 
Einleitung. 
Die Bestimmung von Wärmequanten, die Kalorimetrie, ist für den 
Physiologen, nach zwei Gesichtspunkten betrachtet, eine Aufgabe von großer 
Bedeutung. Die Wärme ist in der Biologie eine Erscheinung, die um ihrer 
selbst willen einer Messung unterzogen wird, spielen doch Eigentemperaturen 
im Gebiet des Belebten überall eine Rolle, sie verlangt aber eine durch die 
kalorimetrische Messung allein ermöglichte Erklärung. Die Wärme ist 
ferner wie bei den Vorgängen des Unbelebten als Energieform, in welche 
andere leicht übergeführt werden können, von Bedeutung. 
Diejenige Energie, welche besonders in der organischen Welt ein Rolle 
spielt, ist die chemische Spannkraft neben jener freien Energie, die in den 
Pflanzen den Chlorophyllkörnern durch die Sonnenstrahlung zugeführt wird, 
aber biologisch doch mehr einen sekundären Prozeß darstellt. 
Kein Leben ohne Ernährung, ohne Verbrauch von Stoffen) ohne Bildung 
von Spaltungsprodukten unter Verminderung der chemischen potentiellen 
Energie. Die ursprüngliche Auffassung des Tierlebens als eine Verbrennung 
unter oxydativem Abbau der Stoffe hat der allgemeinen energetischen' 
weichen müssen, denn nur die letztere umfaßt auch jene primitiven Lebens¬ 
formeln bei den Bakterien und Hefen, wo Spaltungsvorgänge ohne Beteiligung 
des Sauerstoffs die Quelle der Energie für die lebende Substanz bilden. 
Die Desenergisierung ist die generelle Formel der lebenden Substanz, 
der Chemismus die spezielle Formel der Arten und Spezies; beide stehen 
in untrennbarem Zusammenhang. Noch im ’Jahre 1882 sehen wir in dem 
Handbuch der Physiologie von Hermann, einem Standardwerk des da¬ 
maligen Wissens, Wärmelehre und Ernäkrungslehre als völlig getrennte Ab¬ 
schnitte und unabhängig voneinander behandelt. Heute ist eine solche 
Trennung nicht mehr durchführbar, eine Stoffwechsellehre ohne energetische 
Basis nicht denkbar. . 
Ist sonach die Bestimmung des Energiekonsums der fundamentalere und 
weitergreifendere Gesichtspunkt, so hat doch z. B. beim Warmblüter die Wärme
        

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