Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Stoffwechsel
Person:
Caspari, Wilhelm Nathanael Zuntz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15618/44/
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W. Caspari und N. Zuntz, Stoffwechsel. 
gewählt werden. Man führt es geschlossen ein, und spreizt darauf die Branchen 
auseinander. Bei der Verbreiterung der Scheide werden die sekundären 
Wülste geglättet und der. starke Wulst über dem orificium urethrae stellt 
sich sofort dem Auge ein, so daß das Einführen des Katheters nunmehr 
nicht mehr die geringsten Schwierigkeiten macht. 
Um das Katheter bei Hündinnen leichter einführen zu können, haben 
Limpert und Falck1) eine kleine Operation angegeben, welche bezweckt, 
das orificium urethrae externum frei zutage zu legen. Dieselbe besteht 
darin, daß ein Skalpei in die Scheide der Hündin eingeführt und nach der 
Mitte des Dammes durchgestochen wird. Hierauf wird die ganze vordere 
Partie des Dammes in der Bichtung der Scheide gespalten. Wenn dieser 
operative Eingriff gut gelungen, und die geringe Blutung, welche gewöhnlich 
damit verbunden ist, gestillt ist,- liegt die Öffnung der Harnröhre frei, so daß 
man ohne weiteres mit dem Katheter 
hineingelangen kann. Um die Wund¬ 
ränder vor dèm Zusammenwachsen zu 
bewahren, haben die Autoren dieselben 
mit Höllenstein geätzt. Dann vernarben 
die Wundrände-r bald. 
Diese Operation bietet den Vorteil, 
daß man ohne Hilfe einer zweiten Person 
der Hündin leicht das Katheter einführen 
kann. Man umfaßt dabei den Kopf des 
Tieres und die linke Seite des Körpers 
mit dem linken Ellenbogen, ergreift mit 
der linken Pland die Hinterfüße und 
führt mit der rechten das Katheter ein. 
Doch ist dies nur bei geduldigen kleineren Hunden möglich, in anderen 
Fällen wird man auch nach der Operation die Hilfe eines Dieners in 
Anspruch nehmen müssen. Notwendig wird die Operation kaum jemals 
sein, wenn man ein passendes Spekulum zur Verfügung hat, da sich bei 
einiger Übung mittels dieses Instrumentes das orificium urethrae in fast 
allen Fällen leicht einstellen läßt. Abgesehen also von vereinzelten Aus¬ 
nahmefällen, bei ganz kleinen, jungfräulichen Hündinnen, ist diese Operation 
als unnütz zu verwerfen, weil sie um einer bloßen Bequemlichkeit für den 
Experimentator willen dem Tiere Schmerzen bereitet. 
Hat man das Katheter in die Blase eingeführt, so fließt der Ham aus 
und muß natürlich ohne jeden Verlust in ein untergehaltenes Gfefäß auf¬ 
gefangen werden. Nach dieser Entleerung der Hauptmenge des Harns müssen 
aber auch alle Reste desselben quantitativ gewonnen werden, die stets in den 
Falten der Blasenwandung verbleiben. Wir spülen daher nach jedem 
Katheterismus die Blase reichlich mit lauwarmem Wasser oder besser ver¬ 
dünnter Borsäurelösung aus, bis die Flüssigkeit vollkommen farblos abfließt. 
Man muß bei dem Katheterismus mit einiger Vorsicht zu Werke 
gehen, um das Eintreten einer Cystitis zu verhindern. Da man sich bei 
1) Untersuchungen über die Ausscheidung des Zuckers durch die Nieren nach der 
Einspritzung desselben ins Blut. Virchows Archiv Bd. IX, S. 56, 1856. 
Fig. 31. 
Spekulum für Hündinnen.
        

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