Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Stoffwechsel
Person:
Caspari, Wilhelm Nathanael Zuntz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15618/34/
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W. Caspari und N. Zuntz, Stoffwechsel. 
Stoffwechselkäfige für Vögel. 
Vögel, speziell Hühner und Gänse, bieten für Stoffwechselversuche den 
Vorteil, daß man sie in der von den Mastern geübten Weise stopfen (nudeln) 
kann. Man vermag ihnen auf diese Weise quantitativ jede beliebige, auch 
schlecht schmeckende Nahrung beizubringen, um so eher, als diese Tiere 
im Gegensatz zu den Raubvögeln nicht erbrechen. Für viele Zwecke 
dürften sich die von den Geflügelmästern zum Nudeln verwendeten Maschi¬ 
nen gut eignen, weil sie es gestatten, breiige Massen verlustlos einzustopfen. 
Eine gute derartige Maschine liefert der Mechaniker der unter Leitung von 
Tangl stehenden landwirtschaftlichen Versuchsstation in Budapest. 
Wenn man bei Stoffwechselversuchen an Vögeln die aus der Kloake 
entleerten Exkremente nicht trennen will, ist ihr Auffangen nicht mit großen 
Schwierigkeiten verbunden. So hat Voit1) Tauben während Monate langer 
Versuchsdauer einfach auf eine geriefte Stange gesetzt und dieselben ober¬ 
halb mittels zweier, an den Wurzeln der Flügel befestigter Schnüre ange¬ 
bunden. .Gänse hängte er in weit¬ 
maschige Netze ein, welche die Kloake 
frei ließen. Die Exkrete wurden auf 
ein schief gestelltes Weißblech entleert, 
von wo sie in eine Porzellanschale ge¬ 
langten. Käfige wurden benutzt von 
I. Forster2) bei Tauben, von v. Knie¬ 
riem3) und Hans Meyer4) bei 
Hühnern. Diese Käfige waren so ein- 
Fig. 25. gerichtet, daß sowohl der Hals der 
Stoffwechselkafig für Hühner nach Hans Meyer. aJs auch die hintere Partie des 
Körpers mit der Kloake herausragten. 
Die Exkrete fielen so einfach in eine Porzellanschale herab. Die Käfige 
waren so eng gewählt, daß die Tiere sich in denselben gar nicht bewegen 
konnten. Trotzdem hielten sie sich monatelang völlig gesund. Meyer hat 
durch eine Schiebevorrichtung die Käfige der Größe verschiedener Hühner 
angepaßt. Wir verdanken der Liebenswürdigkeit von Herrn Professor 
Hans Meyer nebenstehende Zeichnung. (Fig. 25.) 
Sobald die Versuchsbedingungen eine Trennung von Harn und Kot 
erfordern, bedarf es recht umfangreicher und schwieriger Operationen, durch 
welche Harnleiter und Mastdarm vor ihrer Vereinigung getrennt und der 
Mastdarm durch einen Anus praeternaturalis ins Freie geleitet wird. 
Solche Operationen sind im zootechnischen Institut der Landwirtschaft¬ 
lichen Hochschule zu Berlin von Völtz an Hühnern mit Erfolg ausgeführt 
worden. Seine Technik ist von Paraschtschuk5) eingehend beschrieben. 
Es wurde dabei folgendermaßen zu Werke gegangen: 
Etwa 2 cm oberhalb der Kloakenöffnung, also oberhalb der Einmündung 
der Ureteren wird durch einen 2 cm langen, nach dem Brustbein zu geführten 
1) Hermanns Handbuch der Physiologie. Bd. VI, 1, S. 26. 
2) Zeitschrift f. Biologie. Bd. XII, S. 454, 1876. 
3) Ebenda. Bd. XIII, S. 36, 1877. 
4) Inaugural-Dissert. Königsberg 1877. 
5) Journal f. Landwirtschaft. Bd. L, S. 15,. 1902.
        

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