Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Stoffwechsel
Person:
Caspari, Wilhelm Nathanael Zuntz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15618/3/
Auswahl des Versuchsindividuums. 
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Eintritt der Menstruation gestört werden kann, welche Stoffwechsel-Ano¬ 
malien mit sich bringt. 
Von Tieren eignen sich für die meisten Fragen im allgemeinen Karni¬ 
voren besser als Herbivoren. Das Kaninchen, welches sonst so vielfach 
als Versuchstier des Physiologen verwandt wird, kommt für den Stoff- 
wechselversuch nur selten in Betracht. Der Grund ist darin zu suchen, 
daß die quantitative Gewinnung von Harn und Kot außerordentlichen Schwierig¬ 
keiten begegnet. Eine Dressur dieser Tiere ist nicht möglich, und es muß 
daher der Harn künstlich gewonnen werden, worüber später Näheres gesagt 
werden wird. Wie alle Herbivoren besitzt das Kaninchen einen außer¬ 
ordentlich langen Darm und besonders einen sehr langen und voluminösen 
Blinddarm. Das hat zur Folge, daß die exakte Abgrenzung des Kotes 
sehr schwierig ist. Weiter kompliziert wird die Aufgabe dadurch, 
daß diese Tiere Koprophagen sind. Auch hierauf wird später noch einzu¬ 
gehen sein. 
Das Tier, an dem wir mit Vorliebe Fragen des Stoffwechsels zu lösen 
suchen, ist der Hund. Der Hund eignet sich so gut für diese Zwecke, 
weil er zunächst infolge seiner Intelligenz sich vorzüglich dressieren läßt, 
was besonders dann von fundamentaler Bedeutung ist, wenn wir in den 
Versuch Untersuchungen des respiratorischen Stoffwechsels einbeziehen. 
Die Gewinnung von Harn und Kot ist bei diesen Tieren verhältnismäßig 
leicht, die Abgrenzung des letzteren begegnet bei dem einfachen Bau 
des Darmkanals keinen wesentlichen Schwierigkeiten. Dies hängt ja damit 
zusammen, daß der Hund in seinem anatomischen Bau ein exquisit karni¬ 
vores Tier ist, obgleich er durch lange Domestizierung sich der mensch¬ 
lichen Ernährung sehr angepaßt hat. Nichtsdestoweniger ist darin einer 
der Gesichtspunkte gegeben, die das unmittelbare Übertragen der am 
Hunde gewonnenen Resultate auf den Menschen und andere Tiere verbieten, 
denn der omnivore Mensch steht in bezug auf die Leistungen seines 
Darmkanales zwischen den Karnivoren und den Herbivoren. Er vermag 
daher in der Verdauung der Pflanzenbestandteile mehr zu leisten als der 
Hund. Sicher spielt bei ihm entsprechend dem längeren Aufenthalte der 
Nahrungs reste im Darm die unterstützende Tätigkeit der Darmbakterien 
eine nicht ganz unwesentliche Rolle, wenn sie auch keineswegs so aus¬ 
schlaggebend für die Ernährung ist, wie dies bei den Herbivoren und 
besonders den Wiederkäuern der Fall ist. 
Wegen der leichteren Gewinnung des Harnes bevorzugen wir für diese 
Versuche in neuerer Zeit Hunde weiblichen Geschlechts. 
Die Stoffwechselversuche an anderen Tieren, Rindern, Pferden, 
Ziegen, Schweinen, mancherlei Geflügel werden wohl nur dann ausgeführt, 
wenn es sich um die Lösung spezieller auf die betreffende Tierspezies bezüglicher 
Fragen handelt. Die Versuche an Tieren dieser Art sind mit zum Teil 
ganz außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Manchmal sind selbst 
erhebliche operative Eingriffe notwendig, um einen Stofiweehselversuch zu 
ermöglichen. Exaktheit und Eindeutigkeit der Versuchsresultate sind be¬ 
deutend schwerer zu gewinnen als beim Hunde. W egen der vielfachen 
Schwierigkeit bei der Einstellung dieser Tiere sind die Versuche auch oft 
mit sehr erheblichen Kosten verknüpft. So ist es gekommen, daß unsere
        

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