Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Anwendung der physikalisch-chemischen Methoden in der Physiologie
Person:
Asher, Leon
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15617/67/
Biologische Methoden zur Bestimmung des osmotischen Druckes. 
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für die physiologische Leitfähigkeit nicht mehr zunimmt, kann die Flüssig¬ 
keit als vollständig dissoziiert angesehen werden und diese Leitfähigkeit 
dividiert in die unverdünnte Leitfähigkeit gibt den Dissoziationsgrad a der 
Flüssigkeit unverdünnt. Der richtige Wert, wie bei einer- einfachen Lösung, 
wird hierbei nicht erhalten, weil bei der Verdünnung einer tierischen Flüssig¬ 
keit nicht allein der von der Verdünnung abhängige Dissoziationsgrad ge¬ 
ändert wird, sondern auch mehrere andere Faktoren, Welche auf die Leit¬ 
fähigkeit von Einfluß sind, z. B. bei eiweißhaltigen Flüssigkeiten der Eiwei߬ 
gehalt, oder der Einfluß anderer Nichtleiter. 
Abteilung 6. Biologische Methoden zur Bestimmung des osmotischen Druckes. 
1. Plasmolytische Methode. 
Die plasmolytische Methode (H. deVries) stellt die Konzentration der¬ 
jenigen Lösung fest, welche denselben osmotischen Druck besitzt, beziehent¬ 
lich isosmotisch oder isotonisch ist, mit dem Zellsaft gewisser Pflanzen. 
Werden bestimmte Pflanzenzellen in Lösungen gebracht, welche konzentrierter 
sind als ihr Inhalt, so zieht sich der Protoplast von der Zellmembran zurück: 
ist die Konzentration Meiner als diejenige des Zellinhaltes, so tritt die Ab¬ 
lösung nicht ein. Man sucht diejenige Konzentration auf, bei welcher gerade 
noch Plasmolyse eintritt und eine ganz benachbarte Konzentration, bei welcher 
sie nicht mehr eintritt; zwischen diesen beiden Grenzen liegt diejenige Kon¬ 
zentration der Lösung, welche mit dem Zellinhalt isotonisch ist. Werden 
mit verschiedenen Lösungen an denselben Pflanzenzellen die Konzentrationen 
aufgesucht, welche isotonisch mit dem Zellinhalt sind, so sind diese Lösungen 
auch unter sich isotonisch. Man benutzt entweder Tradescantia discolor 
oder Curcuma rubricaulis oder die Blattschuppen von Begonia manicata; 
letztere ist für nicht zu sauere Flüssigkeiten brauchbar; die erstgenannte 
Pflanzenzelle ist am leichtesten jeder Zeit zu haben. Man schneidet mit 
einem Basiermesser dünne Scheibchen Pflanzengewebe, bringt sie in die be¬ 
treffenden Lösungen und beobachtet im Mikroskop bei 60—100 fâcher Ver¬ 
größerung, um die beiden Grenzen festzustellen. Bedingung für die Anwend¬ 
barkeit der Methode ist, daß 1. die Pflanzenzelle undurchlässig ist für die 
gelöste Substanz und daß 2. die letztere keine schädigende Wirkung auf 
das Protoplasma besitzt. 
Man wendet diese Methode in der Physiologie wesentlich dazu an, um 
mit Hilfe der Plasmolyse zu untersuchen, mit welcher Kochsalzlösung eine 
tierische Flüssigkeit, z. B. Serum oder Harn isotonisch ist. Hamburger 
z. B. gibt an, daß die seröse Flüssigkeit, welche in der Hälfte der Zellen 
im Gesichtsfeld Plasmolyse hervorgerufen hat, isotonisch ist mit der Koch¬ 
salzlösung, welche dasselbe herbeigeführt hat. Zuerst wird diejenige Koch- 
salzlösung' aufgesucht, welche mit dem Pflanzenzellsaft isotonisch ist. Hin¬ 
sichtlich der tierischen Flüssigkeit kann der Fall eintreten, daß sie konzentrierter 
oder weniger konzentriert als die mit dem Zellsaft isotonische Kochsalzlösung 
ist- im ersteren Fall wird sie so lange mit Wasser verdünnt, im zweiten Fall 
durch Zusatz von z. B. 5 °/0 Kochsalzlösung konzentriert, bis der gewünschte 
plasmolytische Effekt eintritt, worauf man aus der Verdünnung bez. Konzen¬ 
trierung die Konzentration der Kochsalzlösung, mit welcher die ursprüngliche
        

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