Bauhaus-Universität Weimar

Mollusken. 
99 
beiten mit diesen Tieren außerordentlich, so daß außer über die Säurepro¬ 
duktion (siehe v. Fürth3S)) keine eingehenderen Untersuchungen an ihnen 
angestellt worden sind. 
P ulmonaten. 
Sehr gute Versuchstiere für die Physiologie des Nervensystems sind 
die nackten Formen (Arion, Limax); auch die großen Helixarten haben sich 
für manche Zwecke, trotzdem sie ein Gehäuse haben, geeignet gezeigt. 
Biedermann10) verwandelt Helix pomatia in eine künstlicheNacktschnecke 
auf folgende Weise: Wie bekannt, kommen sie ganz aus ihrem Gehäuse 
heraus (soweit das überhaupt möglich ist), wenn man sie für einige Zeit unter 
Wasser bringt (Folge der Erstickung und Quellung). Dies wird beschleunigt, 
wenn das Wasser warm ist (36 °). Sind sie total erschlafft, so wird unter¬ 
halb des Gehäuses eine feste Ligatur angelegt und über derselben der im 
Gehäuse bleibende Teil abgeschnitten. Die reduzierten Tiere halten sich 
gut, kriechen und fressen sogar. 
Das eigentliche Zentralnervensystem ist im Vorderkörper um die Bucca 
vereinigt; von dort aus gehen Nerven in den Fuß und die Körperwand. Diese 
Nerven sind aber nicht ganglienzellfrei und gehen nach der Peripherie zu 
in einen zellreichen Plexus über. Man kann also kein Nervmuskelpräparat 
erhalten, sondern nur ein Nerv-Nervennetz-Muskelpräparat. Am besten 
benutzt man als reagierenden Teil das aborale Körperende großer Nackt¬ 
schnecken (Arion, Limax [Bethe5) p.119, Biedermann10)]; Ariolimax [Jen¬ 
kins und Carl s on]45). Die Tiere werden von vorne nach hinten aufgeschnitten 
(das letzte Ende bleibt geschlossen), alle überflüssigen Organe werden heraus¬ 
genommen, die zwei langen Fußnerven am Schlundring durchschnitten und 
nach hinten präpariert. Der Schwanz wird proximal festgesteckt, und von 
seinem distalen Ende wird zum Hebel übertragen. Bei schwacher Reizung tritt 
nicht Kontraktion, sondern Erschlaffung der Muskulatur ein, erst bei stärkerem 
Reiz Kontraktion (Bethe, Biedermann). Durch die Präparation bildet sich 
leider ein ziemlich starker Tonus aus, bei Limax am wenigsten, mehr bei 
Arion, am meisten bei Helix, der sehr lästig ist. 
Zur Beobachtung der Wellenbewegung der Fußsohle sind Limaxarten 
am geeignetsten, besonders zur Demonstration der Unabhängigkeit dieser 
Bewegungen vom Zentralnervensystem (Künkel52)). Die Operation ist sehr 
einfach; man schneidet mit scharfem Messer den Kopf ab. 
Jordan48) hat einen eignen, wie es scheint, sehr zweckmäßigen Apparat 
konstruiert, um die Tonusschwankungen der Helixmuskulatur zu studieren. 
Die Beschreibung desselben läßt sich nicht kurz wiedergeben, weswegen auf 
die Originalarbeit verwiesen werden muß. 
C. Ceph.alopod.en. 
Die vierkiemigen Cephalopoden (Nautilus) kommen wegen ihrer Selten¬ 
heit und geringen Lebenszähigkeit nicht in Betracht. Von den zweikiemigen 
Formen sind sowohl Dekapoden (Loligo, Sepia) als auch Oktopoden (Octo¬ 
pus vulgaris und macropus, Eledone moschata) im Mittelmeer häufig und 
stets zu haben. Wegen ihrer Größe und sonstiger guter Eigenschaften 
haben sich die Oktopoden am brauchbarsten gezeigt. 
7*
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.