Bauhaus-Universität Weimar

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Albrecht Bethe, Wirbellose Tiere. 
überflüssigen Retraktoren dicht am Rüssel durchschnitten und der Rüssel 
selber wird einen halben Zentimeter von der Insertionsstelle der Retraktoren 
durchtrennt. Das Rüsselstück dient später zur Aufhängung. Es^ bleibt nun 
nur noch übrig die Seitennerven des freien Bauchstrangs und diesen selber 
zu durchtrennen. 
Direkte Erregung einer begrenzten Muskelstelle führt nicht zur Kontrak¬ 
tion des ganzen Muskels, sondern nur zur Kontraktion einer begrenzten Stelle, 
welche sich deutlich durch ihr weißes Aussehen von den durchsichtigen, 
nicht kontrahierte Partien abhebt! (v. Uexküll). 
Zu Versuchen am peripheren Nerven eignen sich die ziemlich langen 
Nerven, welche vom freien Bauchstrang zum Rüssel führen (Magnus 62)). — 
Mollusken. 
Im Tierstamm der Mollusken finden sich Tiere von sehr hoher und 
relativ sehr niederer Organisation vereinigt. Organe, die in manchen Klassen 
und Ordnungen fehlen oder kaum angedeutet sind, finden sich in anderen 
hoch entwickelt. Manche Formen schließen sich in der nervösen Organisation 
nahe an die Coelenteraten und niederen Würmer an; andere zeigen hier 
Verhältnisse, die denen der höheren Würmer und der Wirbeltiere näher 
kommen. Die Differenzen in fast jeder Beziehung sind so groß, daß man 
kein Tier als physiologisches Prototyp des ganzen Stammes aufstellen kann, 
wie das zur Not bei den Arthropoden und Wirbeltieren möglich ist. 
Für die verschiedenartigsten physiologischen Bedürfnisse können bei 
dieser Sachlage Experimentaltiere unter den Mollusken gefunden werden; aber 
man kann nicht alle Bedürfnisse an einem Tier befriedigen. Nur mit einem 
reinen Muskel- und Nervmuskelpräparat sieht es bei den Mollusken schlecht 
aus. Selbst bei den Cephalopoden ist es zweifelhaft, ob nicht der Verlauf 
der peripheren Nerven noch an der Peripherie durch Ganglienzellen unter¬ 
brochen wird. Bei den Cephalophoren ist sicher ein zentrenfreies Muskel¬ 
präparat nicht zu erhalten; auch bei den Lamellibranehiaten ist die Existenz 
eines solchen recht zweifelhaft. Da die Mollusken auf Curare nicht reagieren, 
so ist es auch auf diesem Wege nicht möglich, die Einmischung nervöser 
Einflüsse zu verhindern. 
Störend sind die bei vielen Mollusken vorhandenen festen Hüllen (Kalk¬ 
schalen, Kalkgehäuse und manchmal auch Chitinhüllen). Bei den Lamelli- 
branchiaten muß ,man sich mit dieser Tatsache abfinden, wenn man nicht 
gerade an dem zwar schalenlosen, aber in anderen Beziehungen wenig ge¬ 
eigneten Schiffsbohrwurm (Teredo fatalis) arbeiten will. Bei den Cephalo¬ 
phoren (Gastropoden) finden sich aber in fast allen Ordnungen nackte Formen. 
Natürlich wird man diese in erster Linie zu Versuchen heranziehen und die 
gehäusetragenden nur dann benutzen, wenn es das Problem erfordert. 
A. LamellibrancMaten (Aeephalen, Muscheln*). 
Am meisten bisher benutzt sind die Süßwassermuscheln Anodonta und 
Unio, welche in verschiedenen Spezies Vorkommen. Von den zahlreichen 
*) Anmerkung: Die erste Klasse der Mollusken, die Ampkineuren, dürfte für physio¬ 
logische Zwecke kaum in Betracht kommen.
        

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