Bauhaus-Universität Weimar

Vermes (Würmer). 
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Körperende (unter Vermeidung der Ganglienkettengegend, also neben der 
Mittellinie) in mäßig gestrecktem Zustande feststeckt, so verhalten sie sich 
nach kurzer Zeit vollkommen ruhig. 
Zur Herstellung des Fließpräparats verfährt man wie beim Regen¬ 
wurm. Da die Körperhöhle stark mit Parenchym durchwuchert ist, so ist 
die Freilegung des Bauchstrangs nicht ohne Zerrung (und damit verbundene 
Reizung) möglich. Fürst40) benutzte derartige (narkotisierte) Präparate zur 
Untersuchung der polaren Erregung der Muskulatur. 
Durchschneidung des Bauchstrangs: v. Uexküll90) schneidet zu 
diesem Zweck den Kopf resp. das Hinterende ab (narkotisierten Tieren) und 
stülpt das Tier über einem Stäbchen wie einen Handschuhfinger um, wäscht 
den nach außen zu liegen kommenden Darm gut ab und durchschneidet den 
nun durchschimmernden Bauchstrang oder schneidet mehrere Ganglien 
heraus. Hach meinen eigenen Erfahrungen scheint mir der natürliche, 
auch von Maxwell angewandte Weg zweckmäßiger, weil er nicht den Ver¬ 
lust eines Körperendes erfordert: In der Mittellinie der Bauchseite wird der 
Hautmuskelschlauch vorsichtig und unvollständig gespalten. Mit feiner Madel 
und Pinzette wird dann der Rest der Längsmuskulatur auseinander gezupft, 
bis der große, schwarzpigmentierte, ventrale Blutsinus, der das Bauchmark 
umschließt, deutlich vor einem liegt. Eine Verletzung des darunterliegenden, 
durch seinen Blutinhalt meist ebenfalls dunkel gefärbten Darmes läßt sich 
bei einiger Vorsicht leicht vermeiden. Durch sanfte Kompression wird der 
Blutsinus blutleer gemacht und mit scharfer Madel der Länge nach gespalten. 
Die Spuren von Blut, welche austreten, werden mit physiologischer Koch¬ 
salzlösung abgewaschen und nun liegt der weißliche Bauchstrang frei. 
Je nach Bedarf kann nun ein Ganglion (oder mehrere) herausgenommen 
werden, oder man kann die Kommissuren zwischen zwei Ganglien durch- 
schneiden, oder die von einem oder mehreren Ganglien entspringenden peri¬ 
pheren Merven durchschneiden (letzteres ist auch ohne Eröffnung des Sinus 
möglich). Hat die Kompression des Sinus längere Zeit angedauert, so tritt 
uach ihrer Aufhebung gewöhnlich keine Blutung ein. Die Wunde wird 
durch Mäht geschlossen und kann innerhalb einiger Wochen so fest ver¬ 
narben, daß die Fäden entfernt werden können. Übrigens gelingt es auch, 
wenn man in der angegebenen Weise freilegt, beide Kommissuren zwischen 
zwei Ganglien mit Madeln auseinander zu ziehen, so daß die Durchschnei¬ 
dung einer einzelnen ermöglicht wird; jedoch erfordert diese Operation viel 
Geduld. Mach vollkommener Durchtrennung der Ganglienkette ist das Hinter¬ 
tier stets stark abgeflacht. 
Die Exstirpation des Unterschlundganglions und auch die des Ober¬ 
schlundganglions ist schwierig ohne Nebenverletzungen auszuführen. 
C. G-ephyreen. 
Von den nicht sehr zahlreichen Vertretern der Gephyreen ist bis jetzt 
nur Sipunculus nudus zu physiologischen Versuchen benutzt worden, 
eignet sich aber zu solchen in hervorragender Weise. Das Tier ist im 
Mittelmeer recht häufig und in Neapel meist in größeren Mengen zu haben. 
Geeignete Exemplare von 7—12 cm Länge sind nicht selten. Der Sipun¬ 
culus lebt fast ausschließlich im Sande. Es ist deshalb nötig, in das Aufent-
        

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