Bauhaus-Universität Weimar

Die Kemzüehtung- der Protisten. 9 
schädlich auf sie einwirkt. Diese selbe Vorsichtsmaßregel ist hei Spiro- 
stomum ambiguum und wahrscheinlich auch bei Bursaria truncatèlla 
notwendig. 
B. Hertwig züchtet Dileptus und Actinosphaerium unter Fütterung mit 
Stentor coeruleus und erhält außerdem Unterschiede im Verhalten der Tiere 
durch Züchtung bei verschiedenen Temperaturen, deren drei verwendet 
werden: Kaltkulturen bei der Temperatur der Münchener Wasserleitung 
ca. 8 °, Zimmertemperatur und Thermostatentemperatur von 25 0 C. 
Der zur Fütterung notwendige Stentor coeruleus ist häufig in Massen 
zu finden und in Kultur zu halten (s. o.). 
In bezug auf die Erlangung aller anderen Ciliaten 
Infusorien ist man mehr oder oder weniger auf den Zufall 
angewiesen. Am leichtesten sind noch. Vorticellen zu be¬ 
kommen. Sie bedecken als weißliche Überzüge y>ft Stücke 
faulenden Holzes im Wasser und sind bei einiger Übung mit 
bloßem Auge leicht zu erkennen. Unterscheidung von 
Pilzüberzügen und anderen Dingen ermöglicht das deutlich 
sichtbare Zusammenzucken der Vorticellen auf mechanische 
Reizung und die folgende langsame Streckung. Auch auf 
Entomostraken, besonders Cyclopsarten und auf Gammarus 
wachsen häufig Vorticellinen in großen Mengen, besonders 
Zoothamnien (diese zucken auf Erschütterungen nicht zu¬ 
sammen). Die wegen ihrer hochdifferentierten Bewegungs¬ 
organellen besonders interessanten Hypotriehen, findet man 
manchmal reichlich in den Heuinfusen von Paramaecium 
z. B. Stylonychia (s. Fig. 27), Oxytricha (s. Fig. 5). 
Wer mit Ciliaten Infusorien und überhaupt mit Protisten arbeiten will, 
darf sich die Mühe nicht verdrießen lassen, und alle Gräben und Tümpel 
seiner näheren Umgebung auf Objekte absuchen. Man lernt sehr bald die 
Stellen kennen, die gute Ausbeute liefern. 
Die Reinzüehtung der Protisten. 
Die methodische Reinzüchtung von Protisten, entsprechend der bakterio¬ 
logischen Methodik der Reinkulturen, steckt noch vollständig in ihren An¬ 
fängen, und fast nur in bezug auf die Algen liegen bereits gute Resultate 
vor. Nur hier sind auch rein gezüchtete Objekte der physiologischen 
Forschung nutzbar gemacht worden. 
Von Protozoen sind bisher nur Paramaecien und einige Amöben ge¬ 
züchtet worden, und auch hier ist es nicht möglich Reinkulturen zu erhalten, 
sondern im günstigsten Falle sind Mischkulturen zu erzielen, die außer der 
Amöbe oder den Paramaecium noch eine Bakterienspezies enthalten. 
Seit Beijerinck (1890)17) die ersten Reinkulturen mit Algen machte, 
sind viele, Forscher seinem Beispiel gefolgt; hier sollen nur einige der 
wichtigsten Angaben Platz finden. Tischutkin18) benutzt 1 Proz. Agar Agar 
in gewöhnlichem Brunnenwasser ohne irgend welche Beigabe. Die größeren 
Algen werden in sterilem Wasser abgewaschen, mit steriler Schere zer¬ 
schnitten und Teile auf den Nährboden geimpft. Den ersten Erfolg sieht 
man schon nach wenigen Tagen. Bei dieser Art der Kultur wachsen be- 
Fig. 5. Oxytricha 
fallax. Ein Hypo- 
triches Infusor. 
(Nach Jennings.)
        

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