Bauhaus-Universität Weimar

Ernährung und Verdauung. 
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diese Organismen aucli ohne Ausnutzung des Lichtes leben können, wenn 
ihnen geeignete organische Verbindungen zur Verfügung stehen. 
So fand Treboux49) für eine größere Anzahl von Algenarten, daß 
Essigsäure bei völligem Lichtabschluß als Koklenstoffquelle verwertet wird, 
bei einer Spezies (Chlamydomonas) sogar besser als Zucker. Das Optimum 
der Konzentration liegt etwa bei 0,25 Proz. Michsäure nutzten 2 Algenarten 
aus, Scenedesmus acutus und Coelastrum microporum, mit Buttersäure ver¬ 
mochte Euglena viridis zu leben. Die Nährlösung enthielt (NH4)2S04 = 
0,033 Proz, K2HP04 =0,01 Proz, MgS04 + 7H20 = 0,0025 Proz, K2S04 = 
0,0025 Proz, PeS04 -j- 7H20 =0,0005 Proz, die Reaktion wurde neutral bis 
schwach alkalisch erhalten. 
Die umfassende Untersuchung von Zumstein50) zeigte, daß Euglenen 
sich völlig heterotroph ernähren können und daß kein Unterschied zwischen 
chlorophyllosen Euglenen und Astasiiden besteht, beide Formenreihen gehen 
kontinuierlich ineinander über. Euglena gracilis nutzt Zitronensäure (1 bis 
2 Proz.), weniger gut Weinsäure (0,5—1 Proz.) und nur schlecht 0,2 Proz. 
Oxalsäure aus. Bemerkenswert ist, daß Euglena viridis zwar Buttersäure 
aber keine Zitronensäure ausnutzen kann. 
Wo also in der Natur gelöste komplexe Kohlenstoffverbindungen Vor¬ 
kommen, da wird man stets zu erwägen haben, ob sie neben der C02 eine 
ernährungsphysiologische Bedeutung haben. Zweifellos wird eine derartige 
Bedeutung bei chlorophyllfreien Formen, wie sie sich ja unter den Flagel¬ 
laten und Diatomeen finden. 
Auch eine Reihe von Protozoen ernährt sich ganz offenbar von Stoffen, 
die in gelöster Form aufgenommen werden. Unzweifelhaft ist dies für die 
große Klasse der parasitischen Sporozoen (Coccidien und Gregarinen) sowie 
für die, ihrer systematischen Stellung nach so dunkle Opalina ranarum. 
Auch bei den Radiolarien findet unter normalen Bedingungen keine Auf¬ 
nahme geformter Nahrung statt, und die symbiotischen Algen, die vielfach 
mit ihnen vereinigt sind, dürften kaum zur Deckung des großen Stoffbedarfs 
ausreichen, der aus dem Sauerstoffverbrauch geschlossen werden kann 
(Pütter).51) 
Ob bei den Protozoen, die geformte Nahrung aufnehmen, die Menge zur 
Deckung des Stoffbedarfs ausreicht, wäre erst auf Grund der quantitativen 
Bestimmung des letzteren zu entscheiden, der sich meist erhebliche technische 
Schwierigkeiten entgegenstellen (s. u.). 
In welchem Umfange Protisten Bakterien fressen können, geht aus 
Huntemüllers52) Untersuchungen hervor, der Bodo ovatus und Bodo saltans 
mit Typhusbazillen fütterte und nicht nur qualitativ beobachtete, daß viele 
Bakterien von den Flagellaten in kurzer Zeit aufgenommen werden, sondern 
durch Zählung der Keime zeigte, daß in 1—2 Tagen die größte Menge der 
Bazillen verschwunden war, indem dabei der Keimgehalt z. B. im Verhältnis 
von 200000 bis 7-oder 8000 abgenommen hatte. Der Modus der Nahrungs¬ 
aufnahme, z. B. einer Amöbe, ist ohne besondere technische Hilfsmittel zu 
studieren, und verläuft in der Weise, wie es Fig. 7 zeigt. 
Zur Orientierung über den Ernährungszustand eines Protists dient 
am besten die Jodfärbung, die einen Teil der gespeicherten Kohlehydrate 
mahagonibraun (Glykogen) oder blau (Stärke) hervortreten läßt, während das 
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