Bauhaus-Universität Weimar

I. 
Methoden zur Erforschung des Lebens der Protisten 
von 
August Pütter in Göttingen. 
(Mit 48 Figuren.) 
Die Verwendung der Protisten als Objekte der physiologischen Forschung 
verdanken wir in erster Linie Vor worn (1889), der in seinen psycho-phy- 
siologischen Protistenstudien den ersten systematischen Versuch machte, diese 
niedersten Lebensformen für die Entwicklung allgemein physiologischer An¬ 
schauungen nutzbar zu machen. 
Die prinzipielle Berechtigung derartige Objekte zur Lösung allgemeiner 
Fragen heranzuziehen, dürfte heute kaum mehr in Abrede gestellt werden. 
In den Protisten haben wir einzelne frei lebende Zellen vor uns, die 
das Studium der Lebensprozesse direkt gestatten, während in den Viel¬ 
zelligen durch die Vereinigung der Zellen zu Geweben eine Mannigfaltigkeit 
höherer Ordnung geschaffen wird. 
Es wäre durchaus unberechtigt zu behaupten, daß der Lebensprozeß bei 
den Protisten einfacher abliefe, als in den Zellen irgend eines hoch differen- 
tiierten Gewebsorganismus, im Gegenteil muß man vom Standpunkte der 
allgemeinen Physiologie gerade betonen, daß uns das Studium der Protisten 
deshalb interessiert, weil sie, ebenso wie jede andere Form der lebendigen 
Substanz, alle allgemeinen Lebenserscheinungen zeigen. Ihr hoher Wert, 
bei der Bearbeitung allgemein physiologischer Fragen liegt vielmehr darin, 
daß uns hier die einzelne Zelle eine Fülle von Symptomen der Lebensvor¬ 
gänge zeigt, die ohne weiteres dem Studium zugänglich sind. In erster 
Linie die Bewegungserscheinungen der Protisten sind so außerordentlich 
feine Indikatoren für die physiologischen Prozesse in der Zelle, wie sie bei 
Vielzelligen kaum durch Anwendung komplizierter Methoden an Zellkom¬ 
plexen gewonnen werden können. 
Die Feinheit und Zahl der Indikatoren aber, die uns ein lebendiges 
System zur Charakterisierung seines Zustandes bietet, ist ausschlaggebend 
dafür, ob das Objekt für unsere Forschungen brauchbar oder unbrauchbar ist. 
In bezug auf die physikalischen Symptome der Lebensvorgänge dürften 
wohl kaum Objekte zu finden sein, die günstiger wären, als gerade die 
Protisten, weshalb ihr Studium auch gerade für die allgemeine Reizphysiologie 
von besonderer Bedeutung gewesen ist. 
Tigerstedt, Handb, d. phys. Methodik 1,2. 
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