Bauhaus-Universität Weimar

Die chirurgischen Operationen. 59 
einer Temperatur von 125° (ein Druck von ungefähr 11/2 Atmosphären) 
unterzogen. Da es bequem ist, die ganze Wäsche und das chirurgische 
Material in einem großen Sack in den Sterilisator zu legen, so ist es nütz¬ 
lich, in speziellen Versuchen die Zeit der gleichmäßigen Durchwärmung 
dieser ganzen Masse zu bestimmen, um die Zeit, welche die Sachen im 
gegebenen Sterilisator verweilen, zu verlängern oder zu verkürzen. Steri- 
lisatore können von verschiedensten Konstruktionen und verschiedensten 
Größen erhalten werden. In dem Laboratorium, welches unter der Leitung 
des Verfassers steht, erwies sich ein Wiesneggscher Apparat als sehr ge¬ 
eignet (Autoklav). 
Die Instrumente werden in dem bekannten Kochschen Apparat steri¬ 
lisiert, indem man sie 15 Minuten lang in kochender (1 °/0-iger) Sodalösung 
liegen läßt. Während dar Operation werden die Instrumente in einer Schicht 
in einem flachen, breiten, viereckigen Porzellangefäß, welches mit absolutem 
Alkohol oder 2°/0-iger Boraxlösung gefüllt ist, placiert. Gerade vor der 
Anwendung werden sie mit einem sterilisierten 'Handtuch abgewischt. 
Es ist natürlich keine Möglichkeit vorhanden, hier das chirurgische In¬ 
strumentarium zu beschreiben oder irgendwie auf seine Besprechung einzu¬ 
gehen. In bezug auf alle chirurgischen Operationen ist es höchst mannig¬ 
faltig, sehr groß und beruht auf der der gegebenen Aufgabe entsprechenden 
Auswahl aus der unendlichen Sammlung der vorhandenen chirurgischen 
Instrumente der ärztlichen Chirurgen, so daß ein physiologischer Chirurg wohl 
kaum in die Lage kommen kann, selbst für sich die nötigen Instrumente 
erdenken zu müssen. 
Was das Operieren selbst betrifft, so müssen hier im Vergleich zur 
Vivisektion nur wenige besondere Punkte erwähnt werden. Natürlich ist 
hier, noch mehr als bei den Vivisektionen, die vollkommene Vertrautheit 
mit der Anatomie der zu operierenden Region erforderlich, sowohl wie auch 
das vorläufige Erlernen der Technik der Operationen, sei es an Leichen 
oder an lebendigen Tieren, aber nicht an solchen, welche durch langdauernde 
physiologische Beobachtungen und Versuche zur Operation vorbereitet 
wurden, um nicht die angewandte Mühe einer Zufälligkeit auszusetzen. 
Die Hände, was für Maßregeln man auch zu ihrer Reinigung ergreift, 
können doch keine Ansprüche auf absolute Reinheit erheben. Daher muß 
man, wo es nur möglich ist, die Berührung der Wundflächen mit den Händen 
vermeiden und es immer vorziehen, wenn es auch weniger bequem ist, mit 
den Instrumenten zu arbeiten, so z. B. muß man in der Tiefe einer Wunde 
die Ligaturen nicht mit den Fingern, sondern mit Pinzetten zuziehen. 
Während dem Operieren ist es nützlich, wenn die Hände mit Blut oder 
anderen Flüssigkeiten beschmiert werden, sie in einer Sublimatlösung abzu¬ 
spülen, wobei man sie natürlich später mit einem Handtuch abwischt. 
Ebenso müssen auch die Instrumente während der Zeit, wo sie durch andere 
ersetzt werden, in die oben .genannten desinfizierenden Flüssigkeiten gelegt 
werden. Schließlich ist es zweckentsprechend, wenn das Operieren in der 
Wunde oder in einem ihrem Teile unterbrochen wird, dieselbe mit sterilem 
Material zu bedecken. 
Bei den chirurgischen Operationen ist es augenscheinlich wichtiger als 
flei den Vivisektionen, sich von der Dauerhaftigkeit der Blutstillung zu
        

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