Bauhaus-Universität Weimar

Haemodynamik. 
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Mau benutzt dazu zwei hohe Glascylinder, welche nahe am Boden zwei Aus¬ 
flussrohren besitzen ; diese Ausflussrohren verbindet man mit einem kurzen Kaut¬ 
schukrohr, das in der Mitte einen kleinen Schwamm führt, oder dessen Lumen 
durch eine Klemme beträchtlich verengt ist. Kennen wir das eine Gefäss A, das 
zweite V und das communicirende Kohr C. Füllt man diese beiden Gefässe bis 
zu einer beliebigen Höhe mit Wasser (dem man bei Demonstrationen im Hörsaale 
einige Tropfen Anilin oder einer sonstigen farbigen Flüssigkeit hinzusetzt), so 
steht daselbe natürlich in A und V auf derselben Höhe. Treibt man nun mit dem 
einem Ende einer Kautschukpumpe aus V eine gewisse Flüssigkeitsmenge in das 
Gefäss A, so wird selbstverständlich in V die Höhe der Flüssigkeitssäule gerin¬ 
ger, in A grösser; die Höhendifferenz hängt von der aus V in A übergefülirten 
Wassermenge ab. Hört die Thätigkeit der Pumpe auf, so gleicht sich diese Dif¬ 
ferenz durch die Röhre C schnell aus. Macht man aber mit der Pumpe eine neue 
Ueberführung von Wasser aus V in A, ehe diese Ausgleichung stattgefunden hat, 
so wird natürlich die Druckdifferenz zwischen beiden Gefässen noch gesteigert. Bei 
dem ferneren Wirken der Pumpe wird der Druck der Flüssigkeitssäule in A 
immer höher als in V, wenn die Intervalle zwischen je zwei Bewegungen nur 
kurz genug sind, um die Ausgleichung des Druckes zu verhindern. Hach einigen 
Zusammenpressungen der Pumpe (deren Zahl von der Schnelligkeit ihrer Reihen¬ 
folge abhängt) bemerkt man, dass'trotz der fortgesetzten Ueberführung von Flüs¬ 
sigkeit aus V nach A der Höhenunterschied in beiden Gefässen nicht mehr zu¬ 
nimmt (ausser einer geringen Schwankung während des Zusammendrückens der 
Blase), sondern von nun an constant bleibt. 
Wie Weber gezeigt.hat, hängt dies von Folgendem ab: Die Widerstände, 
welche der in der Röhre G befindliche Schwamm (oder das Zuklemmen derselben) 
der Ausgleichung des durch das Pumpen gestörten Gleichgewichts in dem Stande 
der Wassersäulen entgegenstellt, bedingen bei fortdauerndem Pumpen eine wach¬ 
sende Zunahme des Druckunterschiedes in den beiden Gefässen. Dieser Druck¬ 
unterschied erreicht nach einigen pumpenden Bewegungen eine solche Höhe, dass 
unter seinem Einfluss aus dem Gefässe A nach V während der Dauer eines vol¬ 
len Ablaufs der Bewegung der Blase gerade so viel Wasser von A nach V zurück-, 
wie mit der Pumpe aus V nach A ubergeführt wird. Weiteres Pumpen kann 
dann daher den Druckunterschied nicht mehr steigern. 
Es genügt, die Klemme an der Röhre G zu lösen oder den Schwamm zu 
entfernen, um durch Wiederholung desselben Versuches den Gegenbeweis zu lie¬ 
fern, dass es eben dieser Widerstand ist, der die Druckdifferenz zwischen den 
beiden Gefässen sich ausbilden lässt, welche nothwendig ist, um die ununter¬ 
brochene Zurückführung der Flüssigkeit aus A nach V zu ermöglichen. 
Nachdem so die Bedeutung der Widerstände experimentell gezeigt ist, schi*ei- 
tet man zur Demonstration der Rolle, welche die Elasticität der Gefässwände 
dabei spielt. 
Ehe man zu Versuchen mit dem Weber’sehen Schema der Blutcirculation 
übergeht, ist es höchst rathsam, folgenden überaus instructiven Versuch anzustel¬ 
len, welchen Marey angegeben hat. 
Mit dem Hahne des Wasserbehälters verbindet man eine gabelförmige Röhre 
mit starken Wandungen, welche in zwei gleich weite Röhren ausläuft, von denen
        

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