Bauhaus-Universität Weimar

Specielle Nervenphysiologie. 
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gern derselben Hand an den Frosch andrückt, durchschneidet man die Wurzeln 
mit der rechten Hand. Zur Durchschneidung bedient man sich möglichst scharfer 
Scheeren.1) 
Yiel schwieriger sind Heizungen an den Wurzeln anzubringen. Wegen der Kürze 
der Wurzeln, wegen der Nachbarschaft des Rückenmarks und der häufigen Verun¬ 
reinigungen der Wunde durch Blut, gehört eine isolirte elektrische Reizung der 
einzelnen Wurzeln zu. den schwierigsten technischen Aufgaben. Die Schwierig¬ 
keiten werden noch beträchtlich gesteigert, wenn nur die eine Wurzel, z. B. die 
■vordere, gereizt werden muss, während die hintere intact bleiben und nicht die geringste 
Zeirung erleiden darf. Ueberspringen von Stromesschleifen, unipolare Reizungen 
u. s. w. sind bei solchen Versuchen nur bei der grössten Sorgfalt zu umgehen. 
Um so mehr als nur bei den wenigsten der hier einschlagenden Experimente die 
Wurzeln unterbunden und durchschnitten werden müssen; meistens wird die im 
ununterbrochenen Zusammenhänge mit den centralen und peripheren Organen 
stehende Wurzel gereizt. 
Als Elektroden kann man bei Fröschen die auf Taf. IV Fig. 16 abgebildeten 
gebrauchen, welche ich bei Gelegenheit der Untersuchungen über den Einfluss der 
hinteren Wurzeln auf die Erregbarkeit der vorderen verwendet habe. Auf einem 
Glasstabe h, der in der gewöhnlichen Weise auf einem Stabe des Froschbrettes 
befestigt ist, sind drei Scheiben beweglich angebracht; d und d‘ aus Messing, c aus 
Elfenbein. Die metallnen Scheiben tragen an Goldfäden aufgehängte feine Metall¬ 
häkchen b und b‘, während die Elfenbeinplatte an einem feineren Faden ein Glas¬ 
häkchen a besitzt. Die Enden des stromzuführenden Kreises werden in Löcher 
eingeführt, die in den Scheiben d und d‘ angebracht sind. 
Auf b und b‘, welche als stromzuführende Elektroden dienen, werden die zu 
erlegenden Wurzeln gelegt, während die anderen auf dem Glashäkchen a ruhen. 
Durch Drehungen der Scheiben können die Häkchen beliebig hoch eingestellt 
werden. Um die Berührung der Metallhäkchen zu verhüten wird zwischen ihnen 
eine feine Korkscheibe eingelegt. Damit wird auch erreicht, dass die Entfernung 
der Elektroden von einander bei vergleichenden Reizversuchen dieselbe bleibt. 
Statt dieser Elektroden benutzte ich jetzt für ähnliche Versuche feine Platin- 
drähtchen, die in eine stromzuführende Vorrichtung, ähnlich der in Fig. 2 Taf. LI 
sichtbaren, befestigt sind. 
Für die Demonstration des Bell’schen Lehrsatzes mit Hilfe von Reizungen der 
Wurzeln eignet sich sehr gut die auf Taf. XL Fig. 3 sichtbare Vorrichtung von 
Ludwig.2) Der Frosch wird in einer Weise zugerichtet, dass die vordere Kör¬ 
perhälfte mit der hinteren nur noch durch die Vermittelung der letzten Rücken¬ 
markswurzeln zusammenhängt. Wie aus der Zeichnung ersichtlich, ist das ganze 
hintere Rückenmarkstück weggeschnitten, die Wurzeln liegen also frei zur Reizung 
vor. Die auf dem verticalen Stabe beweglichen Zangenvorrichtungen fixiren die 
beiden Froschhälften in einer Weise, dass die Wurzeln nicht gezerrt werden. 
1) Für die Demonstration des Be 11’sehen Gesetzes benutzt man am besten Frösche, 
denen man in verschiedenen Combinationen die einen oder die anderen Wurzeln durchschneidet. 
Parallele Vergleiche mehrerer in verschiedener Weise operirter Frösche zeigen am deutlichsten 
die Unterschiede der Function der hinteren und vorderen Wurzeln. 
2) Ich verdanke die Zeichnung der Güte des Herrn Prof. Ludwig. 
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