Bauhaus-Universität Weimar

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Sechstes Capitel. 
rung' yon bajonettartig gestalteten Messerchen für die Fälle, wo horizontale Schnitte 
durch das Rückenmark geführt werden sollen. Um die Wirbelknochen an den 
Seiten nicht zu weit abtragen zu müssen, sind den Schutzmesserchen für diese 
Schnitte zwei knieartige Biegungen gegeben, die ihnen die Form eines Bajonettes 
verleihen. Durch die auf der Zeichnung sichtbare Schraubenvorrichtung lassen 
sich auch diese Schutzmesserchen in beliebiger Höhe einstellen. 
Die Durchschneidungen des Rückenmarks und der Medulla oblongata erlangen 
Dank diesen Vorrichtungen einen hohen Grad von Sicherheit; und wenn auch mit 
ihrer Hilfe sich nicht ganz genau die Ausdehnung der zu setzenden Verletzung 
vorausbestimmen lässt, so kann man wenigstens bei ihrer Benutzung sicher die 
Grenzen bei der Durchtrennung nicht überschreiten, welche durch die Schutz¬ 
messerchen gesetzt wurden. 
Es ist schon oben angedeutet, dass die Mittel, durch welche wir bei Reizungen 
und Dürchschneidungen des Rückenmarks den Gang der Leitungsbahnen eruiren 
können, hauptsächlich in reflectorisch und direct erzeugten Bewegungen, sowie in 
den \ eränderungen bestehen, welche die gewohnten Bewegungen des Thieres nach 
diesen Eingriffen erleiden. Der allgemeine Gang solcher Versuche besteht also in 
Durchschneidungen gewisser Rückenmarkspartien und Prüfung der Bewegungen, 
welche in verschiedener Weise hervorgerufen werden können. Es werden höher 
gelegene Theile des Rückenmarks gereizt und die Bewegungen der Muskeln beob¬ 
achtet, welche ihre Nerven von unterhalb der Schnittfläche erhalten, oder es werden 
solche Körperstellen erregt, die ihre Nerven von der einen Seite der Schnittfläche 
empfangen, und die Bewegungen in den Muskeln studirt, deren Nervenurspriinge auf 
der anderen Seite der Schnittfläche gelagert sind u. s. w. 
Die verschiedenen Combinationen, welche durch Variation der Wirbelhöhe, 
der Seitenhälften und der Abschnitte des Rückenmarks, wo die Durchschneidungen 
vorgenommen werden, entstehen, bedürfen wohl keiner besonderen Besprechung. 
Die Operationsmethoden bleiben dieselben. 
Ein wichtiges Hilfsmittel fiir die Untersuchung der sensiblen Leitungsbahnen 
des Rückenmarks ist von Ludwig eingeführt worden, indem er die von den sen¬ 
siblen Nerven auf die vasomotorischen ausgelösten Reflexe bei Durchschneidungen 
verschiedener Stränge der Prüfung unterzieht. 
Solche von Dittmar, Miescher u. A. in Ludwig’s Laboratorium ausge¬ 
führte Untersuchungen haben bekanntlich schon zu manchen wichtigen Schlussfolgerun¬ 
gen über die Lage der sensiblen Bahnen des Rückenmarkes geführt. Der Vortheil, 
welchen diese Reflexbewegungen für ähnliche Untersuchungen bieten, besteht 
zuerst darin, dass man durch genaue Messungen der im Blutdrucke hervorgeru¬ 
fenen Schwankungen im Stande ist, auch quantitative Aenderungen der Leitungen 
im Rückenmarke genauer zu beobachten. 
Auch die Möglichkeit, an durch Curare ganz bewegungslos gemachten Thieren 
zu operiren, ist ein Vortheil, der bei so schwierigen Operationen nicht zu unter¬ 
schätzen ist. 
Die Methoden, die Reflexe von den sensiblen Nerven auf die Vasomotoren zu 
beobachten, sind schon in Cap. II § XIII angegeben worden. Im nächsten Paragraph 
sind die Mittel beschrieben, um in den Skelettmuskeln Reflexbewegungen zu veran-
        

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