Bauhaus-Universität Weimar

Specielle Nervenphysiologie. 
525 
in der Längsrichtung getrennt, im letzteren in der Querrichtung. Da man dieses 
Prisma beliebig verschieben und ausserdem auch die Zahl der Spalten je nach dem 
Versuchszweck ändern kann, so hat man die Möglichkeit mit grosser Genauig¬ 
keit das Mark in gewünschten Abständen und in beliebiger Ausdehnung zu durch¬ 
trennen. 
Soll das Rückenmark nur in einer Stelle durchtrennt werden und sollen die 
îfachbartheile vor Quetschungen, Extravasaten u. s. w. geschützt werden, so be¬ 
nutzt man die erwähnten kleinen Messerchen als Schutzmesserchen. Sie 
werden mit sagittal gerichteter Schneide durch das Mark hindurch bis an die 
Wirbelsäule eingestochen und bieten so eine Schutzgrenze, welche das schnitt¬ 
führende Messer nicht überschreiten kann. Miescher überzeugte sich, dass 
die Einführung eines solchen Schutzmesserchens in der Richtung der Längsfasern 
keinen Einfluss auf die Leitung in den betreffenden Stellen ausübt. Will man 
Querschnitte in genau begrenzter Ausdehnung an zwei Stellen derselben Wirbel¬ 
höhe anlegen, z. B. die beiden Seitenstränge auf einer bestimmten Rückenmarks¬ 
höhe durchtrennen, so stössf man zwei in besonderen mit einander verbundenen Haltern 
steckende Schutzmesser in das Mark ein und führt die Schnitte nach beiden Seiten 
von diesen Messern. Die zwischen ihnen abgegrenzte Rückenmarkspartie wird dann 
vollständig geschont. Sind die Halter für die Schutzmesserchen durch eine Schraube 
in beliebiger Entfernung von einander einstellbar, so kann man die zu erhaltende 
Rückenmarkspartie beliebig breit wählen. 
Um die Ausdehnung der Durchtrennung durch die Section genau feststellen 
zu können, muss das betreffende Stück Wirbelsäule nebst Mark und dem darin 
steckenden Schutzmesserchen in Alkohol gelegt werden, um das gehärtete Mark 
mit Hilfe des Mikroskops untersuchen zu können. 
Die mit Hilfe dieser Vorrichtungen ausgeführten Durchtrennungen gewinnen 
einen noch höheren Genauigkeitsgrad, wenn man sich dabei noch der weiteren Ein¬ 
richtung bedient, welche Ludwig zur Fixirung der Wirbelsäule angegeben hat.') 
Die zangenförmige Einrichtung ist auf Taf. XL Eig. 1 abgebildet. Die Zangen 
k und l, denen man je nach dem Orte der Wirbelsäule, wo sie angelegt werden 
sollen, verschiedene Form geben muss, besitzen zwei nach unten gebogene Arme 
p, p, die bei m durch ein Charnier mit einander verbunden sind. Durch die 
Schrauben n, n werden die den Knochen umgreifenden Enden der Zange fixirt. 
Diese Enden sind so gestaltet, dass sie gerade in je eine Vertiefung eingreifen, 
welche unterhalb des schiefen Fortsatzes sich befindet. 
Die prismatischen Stäbe g und h, an welche die Zangen befestigt sind, passen 
in die beiden ebenfalls prismatisch gestalteten Bohrlöcher der Hülse d c, welche 
senkrecht an eine zweite Hülse aus Messing b festgelöthet ist. Diese letztere Hülse 
lässt sich in der gewöhnlichen Weise mit einer Schraube auf beliebiger Höhe des 
Stabes a fixiren. Die Schrauben d und / dienen dazu, die prismatischen Stäbe g 
und h in den Löchern der Hülse cd zu sichern. 
Die übrigen in der Figur sichtbaren Theile gehören den soeben beschriebenen 
Einrichtungen zur Befestigung der Schutzmesser an. Sie gestatten auch die Einfüh- 
1) Diese Einrichtung ist in der Abhandlung von Woroschiloff in den Arbeiten der 
Leipziger Anstalt für das Jahr 1874 beschrieben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.