Bauhaus-Universität Weimar

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Sechstes Capitel. 
Ramus externus auf einen Faden genommen. Man bedient sich dann dieses Rerven 
als Führers, um zu der Austrittsstelle des Accesorius aus der Schädelhöhle zu ge¬ 
langen. Man gelangt bald zu den Rn. vagus und hypoglossus, sucht den zum 
ersteren dieser Rerven abgehenden Ramus internus auf, nimmt auch ihn auf den¬ 
selben Faden, der den externus trägt, und sucht die AustrittsStelle des Accessorius 
möglichst von den benachbarten Weichtheilen zu isoliren. Man ergreift dann diese 
beiden Zweige mit einer starken nicht gezahnten Pincette und zieht den Accessorius 
unter torquirenden Bewegungen heraus. 
Es gelingt auf diese Weise, sowohl seinen Ursprung aus dem Cervicaltheile 
des Rückenmarks, als aus der Medulla oblongata herauszuholen, wovon man sich 
leicht überzeugt, wenn man den herausgerissenen Nerven ins Wasser taucht. Wird 
nur der Ramus externus gezogen, so sollen nach Cl. Bernard nur die Cervical- 
ursprünge, wird der Internus gezogen, nur die Medullarursprünge herausgerissen 
werden. 
Um bei Kaninchen den Accessorius herauszureissen, verfahre ich in von der 
Bernard’sehen etwas abweichender Weise. Während Bernard den Schnitt 
zwischen Processus mastoideus und Atlas führt (also ähnlich wie zur Präparation 
des R. auricularis magnus), mache ich den Hautschnitt am oberen vorderen 
Halstheile. Das Kaninchen wird auf dem Rücken mit stark nach vorn gezogenem 
Kopfe befestigt. Der Hautschnitt von etwas weniger als 2 Centimeter Länge wird 
von oben innen nach aussen unten geführt und zwar etwa von dem Horne des 
Zungenbeins beginnend zum inneren Rande des Sternomastoideus. Man trifft auf 
diese Weise sofort den R. externus n. accessorii (h Taf. XIV Fig. 1) *), der auf 
einen Faden genommen wird, und ihm folgend gelangt man bald bis zum Ursprünge 
des Accessorius. Die Operation ist in dieser Weise noch leichter auszuführen; 
es findet dabei nicht die geringste Blutung statt und, was der Ilauptvortheil ist, 
man ist besser im Stande, den Accessorius bis zum Ursprünge vom Vagus zu 
trennen, so dass auch nicht die geringste Zerrung dieses letzteren Rerven zu 
befürchten ist. 
Die Operationsweisen am Vagus sind in den Capiteln II und III so ausführlich 
behandelt, dass hier auf dieselben nicht zurückzukommen ist. 
Der R. hypoglossus wird, wenn er nur nahe seinem Austritte aus der Schädel¬ 
höhle durchschnitten resp. ausgerissen werden soll, durch einen Schnitt aufgesucht, 
wie der eben beschriebene von^Cl. Bernard für die Aufsuchung des Accessorius 
Willisii geübte. 
Diese Aufsuchung ist besonders dann zu empfehlen, wenn das Thier am Leben 
erhalten werden soll und später Versuche über den Lingualis etc. anzustellen sind.1 2) 
1) Siehe auch den Gang und die Verbindungen des N. accessorius auf Taf. VII Bigg. 
1 und 6. 
2) Den Einwendungen Eckhard’s gegenüber muss içh die Richtigkeit der zuerst von 
Vulpian gefundenen und von mir bestätigten Thatsache über die motorischen Eigenschaften 
des Lingualis, die einige Wochen nach Ausreissung des Hypoglossus sich beobachten lassen, 
aufrecht erhalten. Dieser nie misslingende Versuch lässt sich ohne jede elektrische Reizung 
demonstriren, nur durch leises Klopfen an dem Linguales. Dagegen kann ich die unlängst von 
Vulpian ihm gegebene Erklärung, als rührten diese motorischen Eigenschaften von der Bei¬ 
mengung einiger Fäden der Chorda her, nach meinen Erfahrungen nicht gelten lassen.
        

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