Bauhaus-Universität Weimar

Allgemeine Nerven- und Muskelphysiologie. Versuchsanordnungen. 493 
applicirt, keine Zusammenziehung mehr erzeugen kann, dies aber noch vom Nerven 
aus vermag. (Helmholtz.) 
Seinen eigenen Muskelton hört man nach Helmholtz am besten des Nachts, 
wenn man die Ohren mit Pfropfen aus Siegellack oder nassem Papier verstopft 
und dje stärkeren Muskeln des Kopfes, z. B. die Masseteren, stark contrahirt. Bei 
Erhaltung des Muskels in gleichmässiger Spannung hört man deutlich ein dumpfes 
brausendes Geräusch. Will man den eigenen Muskelton nicht durch den Willens¬ 
reiz, sondern durch elektrische Ströme erzeugen, so reizt man unter denselben 
Umständen den Masseter mittelst eines Inductionsapparates, der bei geschlossenen 
Thüren in einem entfernten Zimmer in Gang gesetzt wird. Auch auf diese Weise 
erhält man bekanntlich einen Ton, dessen Schwingungszahl der Zahl der Schwingungen 
des Hammers am Inductionsapparate entspricht. 
Will man höhere Töne am menschlichen Muskel erzeugen, als sie bei dem 
Spiel des Neef’sehen Hammers erzielt werden können, so kann man zu Unter¬ 
brechungen des primären Stromes schwingende Stimmgabeln verwenden. Bei den 
starken Strömen, die zur Erregung der Nerven beim Menschen erforderlich sind, 
wird das Quecksilber in dem Stimmgabelunterbrecher schnell verbrannt und zer¬ 
streut. Durch Anbringung von metallischen Nebenleitungen für den Elektromagnet 
und Wasserzersetzungsquellen für die Leitungsstücke, wo der Eunken entsteht, 
gelang es Helmholtz, diesem Uebelstande abzuhelfen.1) 
Um die Höhe des natürlichen Muskeltons besser bestimmen zu können, be¬ 
diente sich Helmholtz besonderer Resonnanzapparate, deren Schwingungen sichtbar 
gemacht werden konnten. Stählerne Uhrfedern von einer Länge, dass ihre Schwin¬ 
gungsperiode derjenigen des wahrzunehmenden Tones gleich war, wurden zwischen 
4 Drahtstiften eingeklemmt, die an den Enden eines durch Längsschnitte getheilten 
elastischen Brettchens befestigt waren. Dieses Brettchen legte Helmholtz auf 
den sich contrahirenden Muskel auf. Die Stahlfeder, auf welche die Erschütterun¬ 
gen des Muskels durch die federnden Abschnitte des Brettchens übertragen wurden, 
geriethen dabei in ein starkes Mitschwingen. Indem er die Länge der schwingen¬ 
den Federn variirte, fand Helmholtz, dass der Grundton des natürlich sich zu¬ 
sammenziehenden Muskels aus 18—20 Schwingungen in der Secunde gebildet wird. 
Auch schwingungsfähige Papierstreifen, deren Schwingungsperioden dadurch be¬ 
stimmt wurden, dass man sie an die schwingende Feder eines Inductionsapparates 
hielt und so ermittelte, * bei welcher Schwingungszahl diese Feder am leichtesten 
in Schwingung geräth, erwiesen sich für die Beobachtung des natürlichen Muskel¬ 
tons geeignet. 
Bei directer Tétanisation des Froschschenkels gelingt es, bei höheren Unter¬ 
brechungszahlen (bis 120 in der Secunde) einen entsprechenden Muskelton zu hören, 
wenn man den Muskel, der ein Gewicht bei der Contraction hebt, an einen in den 
Gehörgang gesteckten Glasstab hängt. 
Bei tetanischer Reizung des Ischiadicus beim Kaninchen lässt sich mit Hilfe 
eines auf die Oberschenkel gestellten Stethoskops ein Ton hören, dessen Höhe 
1) Man könnte auch einen Stimmgabelunterbrecher von der Construction des auf Tafel XYII 
Fig. 3 abgebildeten benutzen, der keiner Quecksilbercontacte bedarf.
        

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