Bauhaus-Universität Weimar

416 
Fünftes Capitel. 
«welcher diese Schwankungen geschehen, 4) polarisirende Einflüsse des den Nerven 
constant durchfliessenden Stromes auf seine Erregbarkeit, 5) Einfluss der Stromes¬ 
richtung und Stromesstärke auf diese Polarisation, 6) das Pflüger’sche Zuckungs¬ 
gesetz mit den Oorrectionen von Wundt, 7) Beweise, dass beim Schluss des 
Stromes die Reizung an dem negativen Pol, beim Oeflhen am positiven. stattfindet. 
Nur die Ausführungsweise einiger dieser Versuche bedarf noch besonderer 
Besprechung. 
Die Versuche ad 2 können in der verschiedensten Weise angestellt werden. 
Sehr lehrreich ist seiner Einfachheit wegen der folgende modificirte Marianini’sche 
Versuch. Der Nerv des stromprüfenden Eroschschenkels wird auf die Bäusche 
der unpolarisirbaren Zuleitungsgefässe in der gewöhnlichen Weise aufgelegt, der 
Unterschenkel wird auf den du Bois’schen Träger (s. o.) mit Kautschukringen 
befestigt und die beiden Zuleitungsgefässe werden mit den Polen einer Kette ver¬ 
bunden. Der Eroschschenkel, dessen Nerv so vom Strom durchflossen wird, 
bleibt ruhig. 
Eührt man nun plötzlich eine Nebenschliessung in den Kreis ein, indem man 
einen Zinkbogen in die Gefässe ein- und austaucht, so erhält man jedesmal 
Zuckungen des Froschschenkels. 
Der Einfluss der Geschwindigkeit, mit welcher die Intensitätsschwankungen 
der Reizströme stattfinden, kann, wenn auch auf minder vollkommene Weise, mit 
dem gewöhnlichen Rheochord demonstrirt werden. 
Das allmähliche Verstärken oder Schwächen des Stromes durch Verschieben 
des Rheochord schlittern auf der Drahtleitung erzeugt keine Wirkung auf den Ner¬ 
ven, während hingegen das plötzliche Entfernen des ersten Stöpsels zwischen Sj und 
s2. oft schon Zuckungen hervorruft, obgleich in beiden Fällen gleich starke Neben¬ 
schliessungen eingeschaltet werden. Doch ist der zweite Theil des Versuchs nicht 
immer von Erfolg gekrönt, hauptsächlich weil die Unterbrechung durch Heraus¬ 
nahme des Stöpsels nicht schnell genug ausgeführt werden kann. 
Viel sicherer geschieht dies mit Hilfe des zu diesem Zwecke von du Bois- 
Eeymond construirten Schwankungsrheochords. 
Dieses Rheochord ist auf Taf. XLIII Fig. 1 und 2 abgebildet; das Schema 
auf Taf. LXII Fig. 3 zeigt seine Anwendungsweise. 
Auch in diesem Schwankungsrheochord wird zum Erzeugen von Schwankungen 
des den Nerven durchfliessenden Stromes die Ein- oder Ausschaltung einer Neben¬ 
leitung verwendet. Diese Ein- oder Ausschaltung kann aber mit grosser Ge¬ 
schwindigkeit hervorgebracht werden. 
Ein Holzbrett trägt zwei messingene Winkelstücke 0 und U, zwischen denen 
ein 0,2 Mm. dicker Eisendraht ns ausgespannt ist. 
Zwei stählerne Drähte / d und /j d1 sind an beiden Seiten dieses Drahtes 
befestigt und dienen zur Führung des kleinen Schlittens mit dem Quecksilberrohr 
Q R. Der Deckel R lässt sich abschrauben, um die Röhre mit Quecksilber von 
Zeit zu Zeit frisch nachzufüllen. 
Der Eisendraht ns durchbohrt dieses stählerne Rohr Q, R, sowie den Deckel; 
die Durchbohrungslöcher sind mit Kork gefüttert. An dem Schlitten ist ein um¬ 
sponnener Kupferdraht befestigt, der als Leitung benutzt wird. Die untere Fläche 
des Schlittens besitzt einen doppelten Sperrhaken, der, wie Fig. 2 Taf. XLIII lehrt,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.