Bauhaus-Universität Weimar

Allgemeine Nerven- und Muskelphysiologie. Apparate. 
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gleichem Grade verändern. Eine genaue Graduirung mittelst des Rheostaten ist 
daher bei Anwendung von Wechselströmen ganz unmöglich. 
Yon allen diesen Mängeln ist die zweite der oben erwähnten Graduirungs- 
methoden, welche Fick bei seiner Untersuchung über die elektrische Nerven- 
reizung zuerst ausgeführt hat, vollständig frei. 
Das von Fick dabei benutzte Verfahren ist später von A. B. Meyer be¬ 
schrieben worden. 
Die Graduirung wurde mit Hilfe einer Meissner’sehen Spiegelbussole aus¬ 
geführt. Zuerst wurde mit dem Abstand der Nebenrolle auf 10 Ctm. von der 
Hauptrolle begonnen und die Stärke des inducirten Stromes durch die Grösse des 
Ablenkungswinkels des Spiegels abgelesen. 
Sodann wurde die Nebenrolle der Hauptrolle immer um einen Centimeter 
näher gerückt, bis zum vollständigen Aufschieben der einen Rolle auf die andere, 
und jedesmal die Ablenkung beobachtet. Darauf wurde, um genügend starke Ab¬ 
lenkungen auch für die Entfernung der beiden Nebenrollen, welche mehr als 10 Ctm. 
betrugen, zu erhalten, die Astasie der Bussole entsprechend verändert. 
Damit die Möglichkeit bleibt, die Grösse der Ablenkungen bei den verschie¬ 
denen Graden der Astasie auf einander zu reduciren, wurden auch bei dem neuen 
Zustande der Astasie mehrere Ablesungen bei ähnlichen Abständen, wie die früheren, 
gemacht.1) Nach dem Verhältnisse der in beiden Reihen erhaltenen gleichen Fac- 
toren wurden dann die Zahlen der einen Reihe auf die der anderen reducirt. 
Die so erhaltenen Werthe wurden zur Construction einer Curve verwendet, 
deren Abscisse die Rollenabstände in Centimetern ausdrückte, während die Ordi- 
naten die jedem Abstande zugehörige Stromesstärke zeigten. 
Durch graphische Interpolation wurden für die Stromesstärken, welche nach 
einem bestimmten Modus steigenden Zahlen entsprechen, die zugehörigen Rollen¬ 
abstände gefunden und auf dem Schlitten die jedem Abstand entsprechende Stromes¬ 
stärke aufgetragen. 
Diese F ick’sehe Methode ist später in einer sinnreichen und sehr zweck¬ 
mässigen Weise von Kronecker modificirt worden. Sie gestattet die Ablenkungen 
bei allen Abständen der Rollen von einander mit gleicher Genauigkeit und bei 
demselben Grade von Astasie zu machen; sie erspart also das Reduciren der Ab¬ 
lenkungen. 
Kronecker erreicht dies dadurch, dass er denselben Strom in entgegenge¬ 
setzter Richtung zwei Hauptrollen von zwei Inductionsapparaten durchfliessen lässt 
und so bei gewissen Stellungen der secundären Rollen ihre Wirkungen auf das 
Galvanometer compensirt. 
Näher besteht das Kronecker’sche Verfahren in Folgendem: 
Zwei Inductionsapparate werden in passender Entfernung vom Galvanometer 
aufgestellt um deren Wirkungen per Vistanz unmöglich zu machen. (Gestatten 
die Räumlichkeiten eine solche Aufstellung nicht, so compensirt man auf die gleich 
1) Bei dem einen Zustande der Astasie wurden die Abstände 10, 9, 8. 7.........Ctm, 
gewählt, beim zweiten die Abstände 8, 9, 10, 11, 12 . Ctm.
        

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