Bauhaus-Universität Weimar

Allgemeine Nerven- und Muskelphysiologie. Apparate. 377 
Wie Valentin sieh mit Hilfe des Galvanometers und der Jodelektrolyse 
überzeugt hat, functionirt diese Einrichtung sehr genau, besonders wenn zur Spei¬ 
sung der Hauptrolle eine kräftige Stromquelle benutzt wird, z. B. drei grosse mit 
verdünnter Schwefelsäure versehene Zink-Kohlenelemente. 
Auch die genaue Einstellung der Gabel soll weiter keine Schwierigkeiten 
bieten. Um den Contact zwischen dem Platindrahte vollkommener und gleich- 
massiger hersteilen zu können, hat Valentin die entsprechenden Stellen derselben 
mit Platinspitzen versehen; wie denn überhaupt Valentin bei seinen Schlüsseln, 
Wippen u. s. w. immer Punktcontaote den Flächencontacten vorzieht. 
Die Extraströme werden von diesem Elektromotor durch die Klemmen 3 und 4 
abgeleitet. 
Zur Herstellung der Gleichmässigkeit der Schliessungs- und Oeffnungsschläge 
auf die von Valentin geübte Weise, nämlich mittelst Durchleitung zweier Ströme 
durch die Hauptrolle, eines constanten und eines unterbrochenen, werden die Klem¬ 
men 3 und 4 mit dem Kreise des ersten, 1 und 2 mit dem des zweiten dieser 
Ströme verbunden.*) 
Im Eingänge dieses Paragraphen ist der Nutzen der Schlitteneinrichtung in den 
Inductionsapparaten bei ihren physiologischen Verwendungen hervorgehoben wor¬ 
den ; der Schlitten gestattet durch verschiedene Entfernungen der Nebenrollen von 
der Hauptrolle, die angewandte Stromstärke beliebig zu variiren. 
Beiden physiologischen Versuchen, wo es nur darauf ankommt, die Beizstärke 
empirisch zu finden, welche für die Erzeugung gewünschter Effecte im thierischen 
Organismus erforderlich ist, reicht diese Schlitteneinrichtung meistens aus. Nicht 
so, wenn es sich darum handelt, den Nerv oder den Muskel Beizstärken zu unter¬ 
werfen, die in gewissen bekannten Verhältnissen zu einander stehen. Da die 
Stärken der inducirten Ströme bei Annäherung der Bollen an einander nicht gleich- 
massig zunehmen, so hat das Verschieben der Nebenrolle um eine gewisse Länge 
ganz verschiedene Bedeutung, je nach den Stellen des Schlittens, an welchen diese 
Verschiebungen stattfinden. Es ist daher nothwendig, jeden Schlittenelektromotor 
zu graduiren, wenn man einander vergleichbare Stromesstärken anwenden will. 
Eine solche Graduirung könnte in doppelter Weise ausgeführt werden: 
entweder man giebt den Bollen einen gewissen Abstand von einander und va- 
riirt nur mittelst eines als Nebenschliessung in den primären Kreis eingeführten 
Bheochordes die Stärke des Hauptstroms, oder man bestimmt mittelst einer Bussole 
1) Bernstein suchte die physiologische Wirkung des Anfang- und Endstroms dadurch 
auszugleichen, dass er zur Hauptrolle eine dauernde Nebenschliessung anbrachte, deren Wider¬ 
stand verschwindend ist gegen den der Leitung, welche die Kette und die Unterbrechungsstelle 
enthält. Beide Ströme finden dann zwischen den Enden der Bolle gleichen Widerstand und 
nehmen denselben Verlauf. Früher benutzte er als solche Nebenschliessung Kupferplatten in 
schwefelsaurer Kupferoxydlösung oder eine Säule aus 6--8 kleinen Grove’sehen Elementen. 
Jetzt verwendet er dazu einen, mehrere Fuss langen, in Zickzack gebogenen Kupferdraht. Bern¬ 
stein betrachtet die Gleichheit der negativen Schwankung bei beiden Sichtungen des Induc- 
tionschstroms als Beweis, dass der Verlauf beider Ströme gleich gemacht worden ist. Du 
Bois hält diesen Beweis aus mehreren Gründen für nicht ausreichend. Bei Einführung einer 
sehr schwachen Nebenleitung hat du Bois doch keine Gleichheit der Zuckungen beim Oeff- 
nungs- und Schliessungsschlag erhalten können.
        

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