Bauhaus-Universität Weimar

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Fünftes Capitel. 
Physiologie zu thun hat. Seine ausserordentliche Empfindlichkeit verdankt das 
Instrument bekanntlich der grossen Zahl der Windungen und der Anwendung des 
astatischen Nadelpaares. 
Das astatische System wurde zuerst von Nobili bei Galvanometern ange¬ 
wendet und zwar, um die Schwingungen der Magnetnadeln von der Eichtkraft 
des Erdmagnetismus unabhängig zu machen. Da die beiden zusammengefügten 
Magnete ihre entgegengesetzten Pole nach derselben Seite gekehrt haben, so wer¬ 
den sie vom Erdmagnetismus nur mit einer Kraft ^gerichtet, welche der Differenz 
der beiden Momente der Nadeln entspricht. Wenn, daher auf diese Nadeln eine 
andere Kraft in demselben Sinne ablenkend wirkt, so wird die ablenkende Kraft 
des Erdmagnetismus in demselben Maasse abnehmen, in welchem die neue Kraft 
zunimmt. 
Diese Nadeln werden in dem Multiplicator in der Weise aufgehängt, dass die 
obere Nadel oberhalb'der Drahtwindungen, die untere innerhalb derselben aufge- 
bängt ist. Vergegenwärtigt man sich die Amp è re’sche Eegel1), welche die 
Eichtung bestimmt, in welcher ein von einem Strome durchkreister Magnet abge- 
enkt wird, so wird man leicht einsehen, dass bei der Aufhängungsweise des 
astatischen Systems die Drehungsmomente, welche ein Strom auf die beiden Nadeln 
ausübt, sich addiren, während die vom Erdmagnetismus ausgehenden sich sub- 
trahiren müssen. 
Ist das magnetische Moment der beiden Nadeln nicht ganz gleich, so erhält 
gewöhnlich die eine von ihnen das Uebergewicht und das System stellt sich doch 
in der Eichtung des Meridians ein. Ist dagegen auf die oben angegebene Weise 
für die möglichst gleiche Magnetisirung der beiden Nadeln gesorgt, ist also ihre 
Schwingungsdauer ziemlich gross, so beobachtet man, dass die Nadeln eine Gleich¬ 
gewichtslage einnehmen, welche gewöhnlich zum Meridiane senkrecht ist. Diese 
Ablenkung der Nadeln nennt man die freiwillige Ablenkung. 
Die freiwillige Ablenkung hängt davon ab, dass die beiden Nadeln nie voll¬ 
kommen parallel zu einander befestigt werden können, sondern mit einander einen 
kleinen Winkel bilden. 
Je kleiner dieser Winkel ist, um so grösser ist die Abweichung der Nadel¬ 
stellung von dem Meridiane; hei einer sehr vollkommenen Art der Befestigung, 
wo dieser Winkel unmerkbar klein ist, stellen sich die Nadeln annähernd senkrecht 
zum Meridiane ein.2) 
Die freiwillige Ablenkung hat an und für sich weiter keine störende 
Bedeutung bei dem Gebrauch des Multiplicators. Sie erfordert nur, dass man bei 
Einhängung des Systems in die 'Windungen die Messingbiichse h so lange auf der 
Platte d verschiebt, bis die Spitze der oberen Nadel auf den Nullpunkt der'Thei- 
lung zeigt. 
1) Denkt man sich den menschlichen Körper in den Strom' eingeschaltet, in der Weise, 
dass der Strom durch die Füsse eintritt und durch den Kopf wieder ahstritt, und ist das Ge¬ 
sicht dabei der Nadel zugewandt, dann wird stets der Nordpol der Nadel nach der linken 
Seite des Körpers gedreht. 
2) Nobili hat schon den richtigen Grund der freiwilligen Ablenkung erkannt. Moser 
hat alle von derselben abhängigen Erscheinungen erschöpfend erklärt.
        

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