Bauhaus-Universität Weimar

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Erstes Capitel. 
hinein. Dabei sorge man dafür, dass das Ende des Kautschukrohres mit einer Glas- 
canüle versehen ist, damit deren Oeffnung sich nicht bei zu heftiger Aspiration ver- 
schliesse. Die Aspiration geschieht einfach so, dass die Druckflasche langsam 
tiefer als die Injectionsflasche gesenkt wird, wodurch das Quecksilber aus der 
letzteren in die erstere übergeht und das Blut in die Injectionsflasche fliesst. 
Diese ganze Operation muss langsam und vorsichtig geschehen, da sonst die nach¬ 
giebigen Kautschukwände leicht zusammenklappen und den Durchtritt des Blutes 
verhindern. Auch muss sorgfältig jeder Lufteintritt verhütet resp. bei zufälligem 
Eintritt sofort wieder entfernt werden. Es ist zu diesem Zwecke rathsam, in dem 
Korke, welcher die Injectionsflasche verschliesst, noch eine dritte Oeffnung zu be¬ 
sitzen, in die ein Glasrohr hermetisch eingelassen ist, das mit einem kurzen Kaut¬ 
schukrohre in Verbindung steht und durch eine Klemme oder einen Glasstöpsel 
verschliessbar ist. Durch diese Oeffnung kann mittelst einer Spritze sowohl der 
Füllung nachgeholfen als auch jede Luftblase entfernt werden. Sie kann aber auch 
zur Neufüllung der Injectionsflasche benutzt werden, wenn alles Blut aus derselben 
in das Organ hineingetrieben ist. Kann dasselbe Blut noch einmal durch das 
Organ geleitet werden, so verbindet man diese Röhre mit einem der Aspirations- 
cylinder, von welchen gleich die Rede sein wird. 
Da bei solchen Versuchen mindestens zwei Gehülfen nothwendig sind, so über¬ 
lässt man am besten die Füllung der Flaschen dem Einen und schreitet selbst zur 
Präparation des betreffenden Organs. Die Präparation, die Einbindung der Canülen, 
die Unterbindung der Gefässe muss am lebenden Thiere vor der Entfernung des 
Organs aus dem Körper geschehen. Man verfährt dabei folgendermassen : Nach¬ 
dem das Organ blossgelegt ist, werden dessen Arterien aufgesucht und in dieselben 
Glascanülen nach den in § XI angegebenen Regeln eingebunden. Ist dies ge¬ 
schehen, so füllt man sie mit defibrinirtem Blute und verschliesst die Kautschukenden 
dieser Glasröhren mittelst Klemmpincetten. Dann bindet man Canülen in die Venen ein, 
und nachdem man das in ihnen etwa enthaltene Blut sorgfältig entfernt hat, füllt 
man auch sie mit defibrinirtem Blute und verschliesst sie. Sodann wird das ganze 
Organ aus dem Zusammenhänge mit den Nachbartheilen gelöst, schnell herausge¬ 
nommen und in den erwärmten Behälter gebracht. (Bei Versuchen an ausgeschnit¬ 
tenen Muskeln können meistens die Canülen erst nach der Entfernung derselben 
aus dem Körper eingefiihrt werden.) Die Arterien müssen vor den Venen unter¬ 
bunden werden, damit so wenig als möglich Blut im Organe zurückbleibt ; sonst 
treten Gerinnungen ein, welche in vielen Bezirken des Organs bedeutende Störun¬ 
gen verursachen. Während dieser ganzen Operation muss das Organ vor Ver¬ 
dunstung sorgfältig geschützt werden. Man erreicht dies am besten, wenn man 
von Zeit zu Zeit über dasselbe einen in einer Mischung von Blut und 1 °/o Koch¬ 
salz-Lösung getränkten Schwamm ausdrückt. Ist das Organ bereits im Behälter 
eingeschlossen, so muss man auch in demselben durch nasse Schwämme oder 
Fliesspapier die Atmosphäre feucht zu erhalten suchen. (Sehr geeignet ist dazu 
auch das unten beschriebene Verfahren, um eine feuchte Kammer für elektrophysio- 
logische Versuche herzustellen.) Von einiger Schwierigkeit bei diesen Versuchen 
ist das Verhüten des Lufteintritts in die Gefässcanülen, während sie mit den 
Röhren der Injectionsflasche in Verbindung gebracht werden. Ueber das sicherste 
Verfahren, derartige, oft sehr störende Zwischenfälle zu vermeiden, siehe unten
        

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