Bauhaus-Universität Weimar

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Viertes Capitel. 
Sollen grössere Lymphmengen ohne Beimengungen von Chylus zur Unter¬ 
suchung gesammelt werden, so wählt man am besten den Ductus thoracicus nahe 
seiner Einmündungsstelle in die Y. jugularis sinistra. Das Thier wird mehr als 
24 Stunden vor dem Versuche ohne Nahrung gelassen; dies nicht nur, um reine 
Lymphe zu erhalten, sondern auch um während mehrerer Stunden eine sehr reich¬ 
liche Absonderung dieser Flüssigkeit zu erhalten. Nachdem nämlich schon Ma¬ 
gendie bemerkt hat, dass bei fastenden Thieren die Lymphabsonderung grösser 
ist, als bei gefütterten, hat Lesser eine Methode zur Gewinnung grösserer Lymph¬ 
mengen an solchen Thieren ausgearbeitet, welche es gestattet, im Verlauf. einiger 
Stunden 300 CC. und mehr Lymphe zu erhalten. Er benutzte bei seinen Ver¬ 
suchen junge kräftige Hunde, die er auf die früher angegebene Weise mit Curare 
vergiftete. 
Die künstliche Athmung wurde ergiebig unterhalten, und bei kühler äusserer 
Temperatur wurden einige Schlingen des die Luft zuführenden Xautschukschlauchs 
in warmes Wasser getaucht. 
Eine grössere Glascanüle wird in den Ductus thoracicus nahe an seiner Ein¬ 
mündungsstelle in die V. jugularis sinistra eingeführt und auf die bekannte Weise 
gesichert. 
Der Hautschnitt zur Auffindung des Ductus thoracicus wird an der linken 
Halsseite etwa in derselben Weise wie zur Aufsuchung des dicht neben ihm lie¬ 
genden Ggl. cervicale inf. geführt. Bei einiger Hebung genügt ein Hautschnitt 
von etwa drei Fingerbreiten. Die Richtung des Schnittes ist etwas schräg von 
unten innen nach oben aussen; seine Höhe entspricht etwa dem Verlaufe der Art. 
subclavia. 
Die Präparation dieses Ganges muss sehr sauber gemacht und besondere Sorg¬ 
falt auf Vermeidung jeder Verunreinigung der Wunde- durch Blut verwendet wer¬ 
den. Sämmtliche auf dem Wege liegenden kleinen Gefässe werden unterbunden 
und durchschnitten. 
Zur Orientirung beim Aufsuchen des Ductus bedient man sich am besten der 
Vena jugularis ext., die man zu diesem Zwecke auf einen Faden nimmt. Zur Prä¬ 
paration dürfen nur stumpfe Instrumente benutzt werden. Beim Zerreissen des 
Zellgewebes muss sorgfältig jeder auch kleine Lymphgang (man trifft hier von be¬ 
deutenderen den Truncus colli und den Truncus brachialis, s. u.) verschont werden. 
Bei sauberer Wunde erkennt man sie durch ihre weisslich glänzende durchschim¬ 
mernde Farbe. 
An dieser Farbe wird neben der Vereinigungsstelle der V. jugul. ext. mit der 
Subclavia auch der Ductus thoracicus bemerkt. 
Die Einführung und Sicherung der Canüle geschieht in der bekannten Weise. 
Wegen der grösseren Zerreisslichkeit der Gefässwände dürfen hier nur dickere sei¬ 
dene Fäden benutzt werden ; zu kräftiges Anziehen derselben vermeidet man. 
Aus dem Brustgange so hergerichteter Hunde, deren Gliedmaassen vollkommen 
gelähmt und bei denen in Folge des längeren Fastens Dünndarm und Magen frei 
von Speisen sind, lliessen während 4—5 Stunden oft ganz beträchtliche Men¬ 
gen Lymphe aus. Der Abfluss der Lymphe geschieht in fast ununterbrochenem 
Strome, dessen Geschwindigkeit aber während der Dauer der Beobachtung auf- und 
abschwankt. Diese Schwankungen lassen eine gewisse Gesetzmässigkeit erkennen,
        

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