Bauhaus-Universität Weimar

Absonderungen und Ausscheidungen, 
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Mesenteriums. Man erhält so ein aus dem Zusammenhänge mit dem Darmkanale 
isolirtes Darmstück, das zu einem Blindsacke umgestaltet worden ist. 
Während Thiry es für den Erfolg für gleichgültig hält, welches Stück des. 
Dünndarms man zur Operation wählt, und welches Schnittende man zunäht, zieht 
Paschutin vor, das Duodenum oder den Beginn des Jejunums zur Fistel zu be¬ 
nutzen und das obere Ende des isolirten Darmstücks zu verschliessen. Dies er¬ 
schwert nicht nur die Operation ganz bedeutend, sondern es macht auch den Er¬ 
folg derselben zweifelhafter, da das lange Manipuliren an dem Darme — um 
zu entscheiden, welches das obere, welches das untere Ende ist — viel leichter 
das Absterben des Cul-de-sac und tödtliche Peritonealentzündungen veranlasst. 
Paschutin macht nämlich den ersten Schnitt am Duodenum, einige Centi- 
ineler unterhalb des Eintritts des Pankreasganges; da die Kürze des Mesenteriums 
an dieser Stelle es nicht gestattet, durch allmähliches Nachfolgen am Jejunum die 
Stelle für den zweiten Schnitt zu finden, so hilft sich Paschutin durch folgenden 
Kunstgriff: er bindet das untere Schnittende ab und spritzt mittelst einer feinen 
durch die Ligatur hineingesteckten Spritze eine schwache Kochsalzlösung in den 
Darm ein, während er mit den Fingern einige Schlingen des hervorgezogenen 
Dünndarms verschliesst ; bei der Anfüllung der Schlingen kann man dann ent¬ 
scheiden, welche Theile die oberen, welche die unteren sind.1) 
Es ist vortheilhafter, alle diese schädlichen Eingriffe bei der Anlegung der 
Darmfistel zu vermeiden, und dies um so eher, als die Vortheile des Schliessens 
des Blindsacks an seinem unteren Ende ziemlich problematisch sind. Glanz zu 
verwerfen ist die vorherige doppelte Unterbindung des Darms Vor seiner Durch¬ 
schneidung: es werden die Schnittenden des Darmes dadurch nur unnütz miss¬ 
handelt. 
Das auf die beschriebene Weise geschlossene Darmstück wird nun zurück in 
die Bauchwunde gebracht und zwar mit dem geschlossenen Ende voran; indem 
man sein offenes Ende festhalten lässt, schreitet man zur Vereinigung der beiden 
freien Schnittenden des Darmes aneinander. Diese schwierige Nathanlegung ge¬ 
schieht nach den im ersten Capitel (S. 47 u. 48) gegebenen Kegeln und muss sehr 
sorgfältig ausgeführt werden. Durch Vereinigung dieser beiden Schnittenden, von 
denen das eine mit dem Magen, das andere mit dem Dickdarme communicirt, wird 
die Oontinuität des Darmrohres wiederhergestellt. Das so zusammengenähte Darm¬ 
stück wird nun in die Bauchhöhle reponirt, wo es meistens schon durch das Me¬ 
senterium selbst nahe der Bauchwunde festgehalten wird. Ist das Letztere nicht 
ddr Fall, so muss man mit ein paar Fadenschlingen dieses Darmstück in der Nähe 
der Wunde fixiren. Dies hat zum Zweck, sowohl die etwa ein tretende Entzündung 
auf einen circumscripten Theil zu beschränken, als auch dem möglicherweise durch 
die nicht ganz genau schliessenden Näthe hervorsickernden Darmsecret etc. einen 
freien Ausweg durch die Wunde zu bieten. 
1) Man könnte diese Entscheidung auch einfacher so treffen, dass man den Dünndarm 
ohne Weiteres an einer tieferen Stelle durchschneidet und durch das früher gemachte Schnit- 
ende Flüssigkeit in den Darm spritzt, während man die neuen Schnittenden etwas herausge¬ 
hoben hat.
        

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