Bauhaus-Universität Weimar

j g Erstes Capitel. 
normalen entfernt, docli während der ganzen Yersuchsreihe constant erhalten worden 
wären — so stellte sich dabei doch bald die Nothwendigkeit heraus, das ausgeschnit¬ 
tene Herz in soweit als möglich normale Verhältnisse zu bringen. Sollte nämlich 
diese Untersuchung fruchtbringend sein, so war erforderlich: erstens, dass das 
Herz längere Zeit (5—10 und mehr Stunden) in voller Function erhalten wurde, 
und zweitens, dass ein Mittel aufgefunden wurde, um am ausgeschnittenen Frosch¬ 
herzen mit denselben exacten Messinstrumenten (Manometer, Kymographion etc.) 
arbeiten zu können, wie an dem nicht ausgeschnittenen Herzen der grösseren 
Säugethiere. Hach langen Bemühungen gelang es, diesen beiden Erfordernissen 
dadurch Genüge zu leisten, dass in die Aorta und V. cava des Froschherzens 
i'aniiicn ') eingebunden, welche dann durch ein communicirendes Böhrensystem 
mit einander verbunden wurden. 'Das Herz sowohl wie dieses Böhrensystem wurde 
mit frischem Kaninchenserum gefüllt, welches sich für die Ernährung des Frosch¬ 
herzens als sehr passend herausstellte. So wurde eine künstliche Circulation ge¬ 
schaffen, bei welcher das Herz, indem'es die Flüssigkeit in fortwährender Bewe¬ 
gung erhielt, sich selbst immer frisches Ernährungsmaterial zuführte. Durch 
eine seitliche Verzweigung der aus der Aorta abgehenden Bohre konnte das Herz 
mit ••einem kleinen Manometer in Verbindung gesetzt werden, welches an einer 
rotirenden Trommel die Stärke und Zahl seiner Contractionen verzeichnete. Unter 
diesen Bedingungen arbeitete das ausgeschnittene Froschherz stundenlang fort (oft 
bis 24 und mehr Stunden), wenn nur für zeitgemässen Wechsel des unbrauchbar 
gewordenen Serums Sorge getragen wurde. 
Das Gelingen dieses ersten Versuches, ein ausgeschnittenes Organ unter mög¬ 
lichst normalen Bedingungen weiter functioniren zu lassen, hat natürlich den An- 
stoss gegeben, auch an anderen Organen Aehnliches zu erproben. Es sind auch 
seitdem (fast ausschliesslich in dem Laboratorium von Ludwig) viele Organe dieser 
Untersuchungsweise unterzogen worden und meistens mit einem dem Versuchszwecke 
entsprechenden Erfolge. Die Untersuchungen von A. Schmidt über Athmung 
der ausgeschnittenen Muskeln und Nieren, von J. J. Müller über den Gaswechsel 
der Lunge, von J. Coats, Bo w ditch und Lucianiu. A. über das Herz, von 
J. Schmulevitsch über die Gallenabsonderung in der Leber und von mir über 
Harnstoflbildung in der Leber, sind sämmtlich an ausgeschnittenen Organen ange¬ 
stellt worden, deren weiteres Functioniren durch verschiedene Vorrichtungen künst¬ 
lich unterhalten wurde. 
An der Spitze dieser Vorrichtungen steht die Unterhaltung der Circulation 
und der normalen Körpertemperatur. Auf die Mittel hierzu wollen wir näher ein- 
gehen. Als oberste Bedingung dafür, .dass ein Organ seine Function fortsetzt, 
muss die Durchleitung einer sich immer erneuernden Blutmenge betrachtet 
werden. Dieses das Organ durchströmende Blut hat für dessen Function 
eine doppelte Bedeutung: 1) giebt es dem durchströmten Gewebe diejenigen Nähr¬ 
stoffe, welcher es zu seinem Fortbestehen bedarf, 2) führt es ihm das Material zu, 
das es bei seinem Functioniren verbraucht. Diese doppelte Bestimmung der Blut¬ 
zuführung kann auch die Nothwendigkeit verschiedenartiger Zusammensetzung des 
durch das Organ zu leitenden Blutes bedingen. Handelt es sich nur darum, mit Hilfe 
1) Siehe § VIII, Capitel II,
        

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