Bauhaus-Universität Weimar

Athmung. 
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sehen Gasometers gebaut. Die Röhren von den Ventilapparaten sind durch die 
Metallplatte gebohrt, auf welcher die beiden Cylinder luftdicht befestigt sind, und 
münden in den Raum, der durch den inneren Cylinder E und die Glocke D ge¬ 
bildet wird. 
Das dritte Ventil A dient, um ein beliebiges Gas in den Spirometer zu brin¬ 
gen, im Palle man die Thiere eine bestimmte Quantität eines solchen Gases ein- 
athmen lassen will. (Zu solchen Zwecken können auch die gewöhnlichen grossen 
Kautschukblasen mit bestimmtem Cubikinhalt verwendet werden.) 
In Frankreich und England sind jetzt meistens Spirometer in Anwendung, 
welche nach dem Principe der Gasuhren eingerichtet sind. Aus eigener Erfahrung 
kann ich von solchen Spirometern den von Ca sel la in London sehr empfeh¬ 
len; er besteht aus zwei kleinen Kästchen, von denen das eine zur Pixirung der 
Feuchtigkeit der Luft, das andere als Compteur dient. Das Räderwerk wird bei 
ihm einfach durch den Luftzug in Bewegung gesetzt. Dieses portable Instrument 
lässt, was Genauigkeit und leichte Handhabung betrifft, nichts zu wünschen übrig. 
Welche Einrichtung der Spirometer auch haben mag, er kann natürlich nur 
verwendet werden, um die Mengen der ein- oder ausgeathmeten Luft zu bestimmen. 
Viel schwieriger dagegen ist die Bestimmung der Luftmenge, welche in den Lungen 
auch nach der stärksten Exspiration noch zurückbleibt (residual air von Hutchin¬ 
son). Die Messungen Goodwyn’s an abgesperrten Lungen von Menschen, die 
des natürlichen Todes starben, deren Lungen also die Exspirationsstellung ein¬ 
nehmen, können wohl kaum auf irgend welche Geltung Anspruch machen. Viel 
sinnreicher ist das von Harless vorgeschlagene Verfahren, das Volum des Brust¬ 
raumes zu messen. Es besteht darin, dass man nach einer möglichst tiefen In¬ 
spiration den Lungenraum durch offen gebliebene Lippen und Stimmritze mit der 
Atmosphäre in Verbindung lässt. Sodann bringt inan die offene. Mundöffnung in 
eine luftdichte Verbindung mit einem Kasten, dessen Raum mit einem bekannten 
Luftvolum (ff) gefüllt ist, das unter einem Drucke {V) steht, welcher höher als der 
atmosphärische ist. Durch die Vereinigung der in der Lunge enthaltenen Luft¬ 
menge von unbekanntem Volum (*), das unter dem atmosphärischen Drucke (b) 
stand, mit dem Volum v unter dem Drucke b\ entsteht eine Luftmischung, deren 
Druck (&") an einen am Kasten angebrachten Manometer abgelesen werden kann. 
Da das in einem Volum enthaltene Luftgewicht gleich ist dem Volum multiplicirt 
mit dem Drucke, unter dem die Luft steht, so war das Gewicht der Lungen- und 
der Kastenluft vor ihrer Vereinigung gleich xb-\-vh4, nach der Mischung = 
[x rj- v) 6“, also x b -f~ v b‘ = (x -f- v) ö"; aus dieser Gleichung lässt sich x 
leicht bestimmen. 
Wie Ludwig mit Recht hervorhebt, ist diese Harless’sche Methode mit 
einem Fehler behaftet, der daher rührt, dass der Lungenraum nach der Verbindung 
mit dem Kasten ein anderer sein muss, als vor dieser Verbindung, da in dem 
Kasten die Luft unter höherer Spannung steht, x ist also nach der Verbindung 
eine andere Grösse als vorher; dadurch enthält die erwähnte Gleichung zwei 
Unbekannte, die aus ihr nicht zu finden sind. 
Eine andere nicht minder sinnreiche, aber ganz fehlerfreie Methode ist für. 
denselben Zweck von KT. Gré liant angewendet worden. Sie bestellt in der Mi¬ 
schung der Lungenluft mit einem bestimmten Volum eines indifferenten Gases
        

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