Bauhaus-Universität Weimar

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Zweites Capitel. 
der obere der Hypoglossus, der untere der Glossopharyngeus ist. Diese 
beiden Nerven liegen auf dem schon erwähnten M. pterohyoideus. Etwas tiefer 
als diese Nerven sieht man einen feinen Nervenzweig, der fast ganz parallel den 
Lungengefässen verläuft und dann zum Larynx sich begiebt (N. laryngeus). 
Der N. vagus liegt nun etwas tiefer und ist auch mehr schief nach unten ge¬ 
richtet, als der N. laryngeus. Man erkennt ihn an seiner graueren Färbung und 
isolirt ihn am leichtesten an der Stelle, wo er die Lungenarterie kreuzt 
(Siehe Fig. 8.) 
Es ist sehr vortheilhaft, um bei ' der Präparation durch die Bewegungen des 
Thieres nicht gestört zu werden, dasselbe schwach zu curarisiren oder ihm auf 
die schon angegebene Weise das ganze Rückenmark zu zerstören. 
Will man die Vaguswirkung genauer studiren, so ist es rathsam, das Herz 
mit einer der schreibenden Vorrichtungen zu verbinden, die wir oben beschrieben 
haben. Am zweckmässigsten wählt man für diesen Zweck das von Coats be¬ 
nutzte Verfahren: man zerstört bei einem Frosche das Rückenmark, schneidet die 
untere Hälfte des Thieres bis an die Leber durch, legt dann auf die bekannte 
Weise das Herz bloss, führt durch den Oesophagus und offenen Magen eine dicke, 
an beiden Seiten zusammengeschmolzene Glasröhre; sodann führt man die Canülen 
in die linke Aorta und Vena cava inferior ein, nachdem man die sie von beiden 
Seiten umgebenden Leberbänder durchschnitten hat. Die Glasröhre wird dann 
sammt dem Froschstücke an einem Stativ befestigt und die Canülen mit dem Ma¬ 
nometer verbunden. 
Das ganze Präparat sammt Manometer ist auf Taf. XX Fig. 2 dargestellt. Her¬ 
vorzuheben ist noch, dass Coats, nachdem er die andern Nerven durchschnitten 
halte, den herauspräparirten Vagus in der Weise für die Elektroden zugänglicher 
machte, dass er durch Entfernung eines Stückes des Oesophagus unter ihm ein 
Fenster bildete. Sehr rathsam ist es dabei, einen grossen Hautlappen zu erhalten, 
um damit das Herz vor dem Vertrocknen etc. zu schützen. 
Mit einem so hergerichteten Herz- und Vaguspräparate lassen sich dann die 
zartesten Untersuchungen über die Vagus Wirkungen anstellen; und ist sie für 
solche Zwecke bei Weitem den in § II beschriebenen von Marey, Czermak und 
Nüel angewandten Verfahren vorzuzielien. Der Vagusstamm scheint auch be¬ 
schleunigende Herznerven zu führen; man sieht deren Wirkung nur dann, wenn 
man seine hemmenden Fasern nach Schmiedeberg’s Vorgänge durch Atropin 
lähmt.1) Die Heizung des Vagus ergiebt dann eine Beschleunigung, die verschieden 
stark, aber immer deutlich genug ausgedrückt ist. Wahrscheinlich treten diese 
Fasern in den Vagusstamm durch seine oben erwähnte Anastomose mit dem Sympathicus. 
Zu beschreiben sind noch die Operationsweisen, welche die Beobachtung der 
reflectorischen Erregungen auf die Herznerven zum Ziele haben. 
Jede Reizung eines sensiblen Nerven ruft, wie schon Cl. Bernard an den 
hinteren Wurzeln gezeigt hat, eine Verlangsamung der Herzschläge hervor. Es 
giebt aber einige Nervenfasern, die, wie es scheint, die Vagusstämme in tonischer, 
1) Man könnte diese Beschleunigung nach Lähmung der hemmenden Heizapparate auch 
so zu erklären suchen, wie die Vaguswirkung bei durch Wärme zum Stillstände gebrachtem 
Herzen (E. Cyon).
        

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