Bauhaus-Universität Weimar

Haemodynamik. 
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Oscillationen wahr, welche von den Verdichtungen des Gases im Tunnel durch 
die Ausdehnungen der Arterie verursacht werden. Diese Oscillationen zeigen auch 
einen Dicrotismus und können ausserdem hörbar gemacht werden, wenn man nach 
Klemenziewicz’s Vorgänge über die Flamme eine längere Glasröhre um¬ 
stülpt und so die Gasflamme zum Tönen bringt. 
Ganz vor Kurzem hat Land o is unter der Bezeichnung Haematograp hie eine 
Methode der Pulsbeobachtung beschrieben, von welcher er sich ganz besonders 
wichtige Aufschlüsse „über die Wellenbewegung und Strombewegung des Blutes 
innerhalb der Schlagadern“ verspricht. Dieses Verfahren besteht darin, dass man 
senkrecht auf den aus einer Arterie ausfiiessenden Blutstrahl einen Bogen weis- 
sen Papiers mit gleichmässiger Geschwindigkeit vorbeiführt, auf welchen der 
Strahl seine Bewegungen aufspritzt. Die systolischen Verstärkungen dieses Strahls 
treten dabei, wie aus den (1. c.) beigelegten Curven ersichtlich, sogar mit der di- 
crotischen Elevation hervor. Landois benutzte dieses Verfahren auch zur Be¬ 
stimmung der Menge des während der Systole und Diastole ausfiiessenden Blutes; 
in wie weit letzteres zulässig sei, werden erst die in Aussicht gestellten Mitthei¬ 
lungen ergeben. 
Sämmtliche in letzter Zeit in Anwendung gekommene Methoden des Puls¬ 
zeichnens haben das übereinstimmende Ergebniss geliefert, dass die di- und tri- 
crotischen Schwankungen, welche besonders von dem Marey’schen Sphymogra- 
phen in den Pulswellen zu Tage gefördert worden, nicht etwa durch Unzuläng¬ 
lichkeit dieses Instrumentes entstandene Kunstproducte, sondern der Ausdruck 
der wirklichen Eigentümlichkeiten der in der Gefässwand vor sich gehenden Be- 
-wegungen seien. Die theoretische Discussion des M ar e y’schen Wellenzeichners 
von Mach, sowie die experimentelle Prüfung, welcher das Instrument von M a ch, 
Fick, v. Witt ich, Landois und Andern unterworfen wurde, haben ergeben, 
dass, soweit man überhaupt eine genaue Wiedergabe von periodischen Bewegun¬ 
gen durch schwingende Massen erzielen kann, dies durch ihn wirklich erreicht 
wird. Es bleibt uns nur noch übrig, einige Worte hinzuzufügen über die Bedeu¬ 
tung, welche man den mit Pulszeichnern erhaltenen Curven geben kann. 
Der Sphygmograph vermag absolute Werthe nur über die Zahl der Herz¬ 
schläge zu liefern. Ueber Stärke der Druckwankungen, der Herzcontractionen 
u. s. w. haben seine Angaben nur einen relativen Werth. Ueber die Form der Herz* 
contraction, über die zeitlichen Verhältnisse der einzelnen Momente dieser Func¬ 
tion, über andere wellenförmige Bewegungen, welche im Gefässsystem etwa Vor¬ 
kommen können, sind die Angaben des Sphygmographen ganz zuverlässig; in 
diesen Angaben ist auch sein Hauptnutzen zu suchen. Die Spannung in den Arte¬ 
rien kann zwar, nach F o s t e r’s und A. Vorgange, durch die zum Zusammen¬ 
drücken des Gefässes nothwendige Belastung oder Spannung der Feder annähernd 
ermittelt werden — es ist aber sehr fraglich, ob solche Messungen mehr W erth 
besitzen, als die, welche durch einfaches Zusammendrücken der Arterie mit den 
Fingern erhalten werden können. 
Es scheint im Gegentheil, dass man bei der letzteren Untersuchungsweise sieb 
viel eher wird Bechenschaft geben können, ob der beim Zusammendrücken der 
Arterie zn überwindende Widerstand von der Rigidität der Gefässwand oder von
        

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