Bauhaus-Universität Weimar

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Erstes Capitel. 
obachters wie von seiner genauen Bekanntschaft mit den ihm schon zu Gebote 
stehenden Errungenschaften der physiologischen Technik ab. 
Ist der Experimentator bei einer gewissen Anordnung des Versuches stehen 
geblieben, so prüft er zuerst, in wie weit dieselbe ihrem Zwecke entspricht: ob 
die betreffenden Apparate in der That in gehoffter Weise und mit der gewünsch¬ 
ten Precision arbeiten, ob bei der Ausführung des Versuches nicht störende 
Nebenumstände hervortreten, die das Ergebniss trüben könnten u. s. w. 
Mag die Zeit, welche so auf die Eundamentinmg der Methode verwendet 
werden muss, noch so lang sein, sie ist immer mit Nutzen verwendet ; und wenn 
man die Ausdauer hat, nicht eher zum, endgültigen Experimentiren zu schreiten, 
als bis die Methode unangreifbar dasteht, so wird man reichlich belohnt, indem sie 
vor Zeitverlust durch unreife Experimente bewahrt. — 
Soll dagegen der Versuch nur die W iederholung einer schon von einem andern 
Beobachter ausgeführten Untersuchung sein, so ist das dabei anzuwendende Ver¬ 
fahren je nach dem jedesmaligen Zwecke verschieden. Besteht dieser in der Con¬ 
trôle einer fremden Mittheilung, so ist zuerst genau im Originale selbst zu er¬ 
sehen, wie und mit welchen Cautelen der Versuch ausgeführt worden ist. Ist 
eine Vivisection in einer wenig bekannten Gegend dabei noth wendig, so müssen 
zuvörderst einige anotomische Präparationen dieser Gegend gemacht werden, von 
denen man die gelungenste als Controlpräparat conservirt. 
Sind physicalische Apparate erforderlich, so ist es am besten, nur mit solchen 
zu arbeiten, die genau denjenigen entsprechen, mit welchen das Experiment von 
derii ersten Beobachter angestellt worden ist. 
Ist dieses unmöglich, so sind wenigstens solche Apparate zu wählen, die eben 
so sicher und präcis die zu beobachtende Erscheinung hervorrufeu können. Zu 
diesem Behufe sind jedenfalls die Apparate vor dem Versuche in Bezug auf ihre 
Leistungsfähigkeit zu prüfen. 
Ferner muss der Versuch mehrmals wiederholt werden, um das Hecht zu 
geben, von wirklicher Contrôle einer fremden Beobachtung zu sprechen. 
Weiss ja doch der geübte Experimentator nur zu gut, wie oft ein anscheinend 
ganz nichtssagender Unterschied in der Anordnung zu durchaus verschiedenen 
Besultaten führt. Bei so complicirten und scheinbar so capriciösen Erscheinungen, 
wie es die sind, mit welchen der Physiologe zu thun hat, ist der Erfolg oft 
von ganz unbedeutenden Nebenumständen nicht unwesentlich beeinflusst,. 
Wiederum andere Gesichtspunkte sind bei Demonstration von Versuchen vor 
einem grösseren Kreise festzuhalten. Als erste Regel muss hier gelten, dass inan 
dieselbe unter keinen Umständen unternehmen darf, bevor man nicht den betref¬ 
fenden Versuch für sich selbst angestellt hat. 
So sichergestellt auch das Ergebniss erscheinen mag, so leicht und gewrohnt 
dem Experimentator auch die notlrwendigen Handgriffe sein mögen — nie lasse 
er sich verleiten, von dieser Regel abzuwmichen, wrenn er sich nicht mancher un¬ 
angenehmen Enttäuschung aussetzen will. 
Das sichere Bewusstsein des Experimentators, dass ein bestimmtes Resultat 
bei einem gegebenen Versuche ein treten m u s s, ist für das Gelingen auch weniger 
couiplicirter Untersuchungen durchaus nothwendig; dieses Bewusstsein und die
        

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