Bauhaus-Universität Weimar

ERSTES CAPITEL. 
Allgemeine Versuchsregeln. 
§. I. Zweck der physiologischen Versuche. 
Das physiologische Experiment verfolgt gewöhnlich zwei Ziele : entweder 
Entdeckung neuer oder Bestätigung schon früher gefundener Thatsachen. 
Im letzteren Falle kann der Versuch wieder verschiedenen Zwecken dienen. 
So unternimmt ihn der Experimentator zur eigenen ITeberzeugung von der Rich¬ 
tigkeit einer mitgetheilten Thatsache oder auch in der Absicht, einem grösseren 
Zuhörerkreise durch Vorführung einer Erscheinung eine klare Anschauung und 
besseres Verständniss derselben zu geben. 
In allen diesen Fällen ist die Art sowohl der vorbereitenden Anordnung, wie 
auch der Ausführung des Experiments eine mannigfache, und selbstredend richtet 
sie sich nach dem jeweiligen Zwecke. Daher ist es vor Allem wichtig, das letz¬ 
terer in möglichster Deutlichkeit von dem Experimentator erkannt und festge¬ 
halten wird. 
Bildet das Ziel des Versuches die Beantwortung irgend einer speciellen Frage, 
so muss zunächst geprüft werden: 
1) In wie weit mit den zu Gebote stehenden Mitteln die Erzeugung der für 
das Beobachten der betreffenden Erscheinungen nothwendigen Bedingungen 
möglich ist. 
2) Welche Massregeln ergriffen werden müssen, um bei der Ausführung des 
Versuches das etwaige Auftreten von Nebenerscheinungen entweder gänz¬ 
lich zu vermeiden oder doch dermassen zu beschränken, dass sie bei dessen 
Deutung keinen störenden Einfluss üben. 
3) Ob die bei dem Versuche zu erwartenden Reactionen derartige sein können, 
dass sie in der That als Antwort auf die gestellte Frage zu benutzen sind. 
Ist man zur Anstellung eines Versuches geschritten, ohne sich die zu seiner 
Ausführung und Deutung erforderlichen Mittel gesichert zu haben, so stösst man 
gewöhnlich auf Thatsachen, die entweder nur Resultate _ des fehlerhaften Experi- 
mentirens sind oder ihrer Natur nach überhaupt jedem Erklärungsversuche spotten. 
Sind die nothwendigen methodischen Mittel nicht vorhanden, so muss man zur 
Herstellung derselben schreiten. Dieses ist gewöhnlich die schwierigste, aber auch 
oft die lohnendste Arbeit bei jeder selbstständigen Untersuchung; ihr mehr oder 
weniger genügendes Resultat hängt ebenso vom individuellen Scharfsinn des Be- 
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