Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wahrnehmung von Bewegungen vermittelst des Auges
Person:
Stern, L. William
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15560/49/
Die Wahrnehmung von Bewegungen vermittelst des Auges. 
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durch die Verschiebung eines rotierenden Rades gegen ein 
Gitter entsteht. Wie schon im § 20 ô ausgeführt, haben hier 
die Speichen scheinbar die Form derjenigen Kurven, die durch 
die successiven Durchschnittspunkte jeder Speiche mit einem 
Gitterstab sich bilden. Auch diese successive Reihe wird durch 
Nachbilder für uns vollkommen simultan. — Endlich fällt hier 
auch Licht auf jene eigentümliche Thatsache (§9), dafs Wahr¬ 
nehmungen von Bewegungen innerhalb einer kürzeren Zeit 
möglich sind, als zur Auffassung einer Ungleichzeitigkeit 
gehört. Zum Zustandekommen des Nachbildstreifens gehört 
eben nur objektive Ungleichzeitigkeit, nicht deren Wahr¬ 
nehmung; sobald jene nur bewirkt, dafs der subjektiv simultane 
Eindruck in seinen verschiedenen Teilen verschiedene Intensität 
hat, findet dessen Deutung auf Bewegung statt. 
Welche Rolle der Nachbildstreifen spielt, wenn er in einer 
Reihe von Zeitmomenten beobachtet wird, findet später (§51) 
seine Erörterung. 
c) Die Augenbewegung. 
§47. Das Verfolgen des bewegten Objektes mit den 
Augen ist derjenige Akt, mittelst dessen wir am häufigsten 
Bewegungen beobachten. Man glaubte, den psychischen Gehalt 
dieses Aktes erschöpft zu haben, wenn man jene Muskel¬ 
empfindungen in Betracht zog, welche die Kontraktion der 
Bulbusmuskeln begleiten. Diesen Muskelgefühlen schrieb man 
eine fundamentale Bedeutung für das gesamte Bewegungssehen 
zu. Stricker1 wollte sogar alle Bewegungsvorstellungen daraut 
zurückführen. Alledem kann ich nicht zustimmen. Der Wahr¬ 
nehmungsakt von Aufsenbewegungen, wie er sich an Augapfel¬ 
bewegungen anschliefst, ist ein höchst komplizierter, in den 
zwar die Muskelsensationen als Moment eingehen, doch nicht 
als das fundamentalste, geschweige denn als einzigstes. Jener 
Wahmehmungsakt bedarf daher dringend der Analyse, die ich 
im folgenden zu geben versuche. 
Die Annahme, dafs die Muskelempfindung allein eine ob¬ 
jektive Bewegung sinnlich übermitteln könne, schliefst still¬ 
schweigend eine weitere in sich ein, nämlich, dafs in anderer, 
insbesonders optischer, Beziehung der Eindruck Konstanz und 
1 Stricker, Studien über die Bewegungsvorstellungen. Wien 1882. 
Zeitschrift für Psychologie VII. 24
        

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