Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wahrnehmung von Bewegungen vermittelst des Auges
Person:
Stern, L. William
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15560/43/
Die Wahrnehmung von Bewegungen vermittelst des Auges. 
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Dafs man endlich in der Netzhautperipherie von einem in 
der Ruhe nicht mehr sichtbaren Objekt eine Bewegung nach 
hinten wahrnimmt, hat seinen Grund in der schnellen Er¬ 
müdung jener Retinagebiete. Infolgedessen wird die von dem 
Objekt im Ruhezustand getroffene Stelle sehr schnell unempfind¬ 
lich, während die frischeren dahinterliegenden Stellen einer 
Reizung noch zugänglich sind. 
Wenn, wie oben hervor gehoben, das Prinzip der veränderten 
Reizung isoliert im direkten Sehen nur selten zur Anwendung 
kommt, so ist doch andererseits wahrscheinlich, dafs es bei 
allem Bewegungssehen als Faktor mit eingeht, da ja auch bei 
fast allem Bewegungssehen fortwährende Änderungen in den 
Reizungen einzelner Netzhautpartien stattfinden. 
b) Der Nachbildstreifen. 
§ 43. Die veränderte Reizung war eine Wirkung, welche 
das sich bewegende Objekt besonders an dem der Bewegungs¬ 
richtung zugekehrten Ende hervorrief; eine andere Wirkung 
tritt an der entgegengesetzten Seite ein. Ein Netzhaut¬ 
element, das noch eben gereizt wurde, wird im nächsten Augen¬ 
blick nicht mehr vom Bilde des Objekts getroffen, und so findet 
hier eine veränderte Reizung in negativem Sinne statt. Aber 
es findet noch ein anderes statt. Der Übergang des nicht mehr 
gereizten Netzhautteilchens in den Ruhezustand vollzieht sich 
nicht momentan, vielmehr wirkt der Reiz noch geraume Zeit nach, 
an der betreffenden Stelle erscheint ein Nachbild, das allmählich 
an Intensität abnimmt und endlich verschwindet. Hatte nun 
die Bewegung eine gewisse Schnelligkeit, so wird das 
Nachbild einer vergangenen Phase noch vorhanden 
sein, wenn eine neue (eben räumlich davon unterscheidbare) 
Phase erreicht ist. Ja, bei genügender Geschwindigkeit der 
Bewegung und Helligkeit des Objekts ist es möglich, dafs die 
Nachbilder von einer ganzen Reihe von Phasen noch bestehen 
neben dem Bilde einer neuen. Diese Nachbilder werden um so 
schwächer sein, je länger sie bestehen, und je weiter sie daher 
von dem frischen Bild entfernt sind; und das frische Bild wird 
sich sogar von den nächsten Nachbildern noch beträchtlich an 
Intensität unterscheiden; denn gerade im ersten Moment des Auf¬ 
hörens eines Reizes nimmt das Bild sehr schnell an Stärke ab.
        

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